Die Executive Order zum Einreiseverbot ist ein fundamentaler Rückschritt


Auf Grundlage einer am 27.01.2017 erlassenen Executive Order wird Menschen aus sieben Ländern für die kommenden 90 Tage die Einreise in die USA verwehrt.

Wir als Unternehmen glauben, dass die Politik dieser Executive Order fehlgeleitet ist und einen fundamentalen Rückschritt darstellt. Es gibt effektivere Wege, die öffentliche Sicherheit zu wahren, die gleichzeitig dem Ansehen und den Werten der Vereinigten Staaten keinen derartig großen Kollateralschaden zufügen.

Bereits am Samstag wandte sich Brad Smith, Präsident und Chief Legal Officer der Microsoft Corporation, an alle Mitarbeiter:

 “As a company, Microsoft believes in a strong and balanced high-skilled immigration system.  (…) And we believe in the importance of protecting legitimate and law-abiding refugees whose very lives may be at stake in immigration proceedings.”

Auch wenn das erlassene Einreiseverbot nach aktuellen offiziellen Angaben des US-Heimatschutzminister Kelly nun doch nicht für Doppelstaatler gilt, möchte ich hier auf unserem Blog den offenen und wichtigen Worten von zwei Kolleginnen mit doppelter Staatsbürgerschaft Raum geben. Mich als Personalchef von Microsoft Deutschland und viele weitere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hat es sehr bewegt, dass Sepideh Schönfeld und Mohanna Azarmandi sich in diesen Tagen in sehr persönlicher Art und Weise zu dem Dekret geäußert haben. Die neue Sachlage hat zwar ihre geschilderte unmittelbare, individuelle Betroffenheit in der Zwischenzeit aufgehoben, nicht aber die Relevanz ihrer Worte und den darin liegenden Appell. Denn die Förderung eines vielfältigen und integrativen Miteinanders unabhängig von Herkunft, Hautfarbe, Religion, Geschlecht oder sexueller Orientierung ist uns ein besonderes Anliegen sowie zentraler Bestandteil unserer Unternehmenskultur und unseres Wertesystems – gerade und erst recht in Zeiten wie diesen.

Sepideh Schönfeld arbeitet als Business Developerin in unserer Hamburger Niederlassung. In ihrer Rolle fliegt sie häufig in die USA. Als erste Reaktion auf die Executive Order wandte sich Sepideh kurz danach mit einer E-Mail an unsere Belegschaft:

“Liebe Kolleginnen und Kollegen, (sorry for spamming your inbox, aber das Thema ist mir wichtig),

vielleicht haben einige von euch die Schlagzeilen am Wochenende verfolgt und das Schreiben von Brad Smith (s. weiter unten) hinsichtlich der neuen Executive Order von Donald Trump aufmerksam gelesen. Ich möchte euch heute darauf aufmerksam machen, dass diese Anordnung nicht nur drastische Auswirkungen hat auf Flüchtlinge oder Reisenden aus den 7 besagten “suspekten” Ländern, sondern auch auf Kollegen und Kolleginnen von euch aus Deutschland, die ebenso unter “Generalverdacht” gestellt werden.

Ich bin eine der vielen deutschen Staatsbürger, die durch diese Anordnung unter Generalverdacht gestellt wird und nicht mehr in die USA einreisen können, sofern die Executive Order bestehen bleibt. Ich lebe seit meinem 2. Lebensjahr in Deutschland und trage seit meinem 16. Lebensjahr die deutsche Staatsbürgerschaft, ebenso jedoch auch die iranische Staatsbürgerschaft (die man nicht abgeben kann, selbst wenn man wollte). Dies wird mit Sicherheit noch auf weitere zahlreiche Microsoft Kollegen sowie auf etliche andere deutsche Mitbürger mit Migrationshintergrund (vielleicht auch auf Freunde und Bekannte von euch) zutreffen, die aufgrund beruflicher oder persönlicher Situation eine regelmäßige Reise in die USA durchführen müssen und denen dies nun verweigert wird.

Diese Diskriminierung ist nicht nur ein persönlicher Schlag für die Betroffenen, sondern wirft für uns als globales Unternehmen, das Diversity und Inclusion fördern möchte, viele Hindernisse und Fragen auf.

Ich wünsche mir von Microsoft und meinen Kollegen, dass wir uns alle dieser Probleme bewusst werden, Familie und Freunde darauf aufmerksam machen und gemeinsam aus Deutschland heraus gegen solch eine Bewegung ankämpfen. Insbesondere wünsche ich mir, dass wir alle dafür kämpfen, dass ähnliche Bewegungen in Deutschland KEINE Unterstützung erfahren.

Danke euch!

Sepideh

Diversity + Inclusion = Success”

Sepideh hat darüber hinaus im ZDF Stellung bezogen:

 

 

Unsere Münchner Mitarbeiterin Mohanna Azarmandi lebt seit ihrem 7. Lebensjahr in Deutschland und besitzt sowohl die deutsche, als auch die iranische Staatsbürgerschaft. Auch wenn das Einreiseverbot als Doppelstaatlerin nun doch nicht für sie gilt, teilte sie uns ihre Betroffenheit offen mit.

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„Ich bin im Iran geboren und lebe seit meinem 7. Lebensjahr in Deutschland und habe (genauso wie meine Eltern und meine beiden Schwestern) die deutsche Staatsbürgerschaft (die iranische Staatsbürgerschaft habe ich seit meiner Geburt und kann sie nicht ablegen, ob ich das will oder nicht). Ich bin Business Program Managerin bei Microsoft und arbeite von Deutschland aus für unsere Corporation in den USA. Ich war bisher immer in internationalen Rollen tätig, so dass ich zwei bis drei Mal im Jahr beruflich in den USA bin. Meine nächste Reise ist für März/April geplant. Die Executive Order von Präsident Trump erlaubt es mir nun vorerst nicht mehr, als so genannte Doppelstaatlerin, in die USA einzureisen. Es wird sich zeigen, was das für meine Rolle in einem international agierenden Team bedeutet.

Wie fühle ich mich damit? Die erste Antwort ist tatsächlich: Diskriminiert, wegen etwas, dass ich nicht beeinflussen kann. Mein Geburtsort scheint demnach auszureichen, um mich unter Generalverdacht zu stellen. Ich bin aber auch unendlich traurig, dass wir im Jahr 2017 weiterhin Menschen wegen ihrer Herkunft oder Religion beurteilen und ausschließen. Meine persönliche Betroffenheit ist ärgerlich, aber weit mehr berührt mich, was die Order für Menschen bedeutet, die ihre Familien nicht sehen können, diejenigen, die aus ihrer Heimat fliehen mussten und Hilfe brauchen.

Ich bin stolz auf meinen Arbeitgeber Microsoft und auf meine Arbeitskollegen, die klar Stellung beziehen und sich für eine Minderheit der Mitarbeiter einsetzen Diversity & Inclusion ist nicht nur ein Leitfaden für uns, es wird gelebt. Wir, nicht nur Microsoft und seine Mitarbeiter, wir alle haben die Verantwortung, ein Zeichen gegen Diskriminierung zu setzen. Sowohl in den USA als auch in Deutschland.”

Nicht zuletzt möchte ich noch auf das Statement unseres CEO Satya Nadella hinweisen, der in einem LinkedIn Post mit Bezug auf seinen persönlichen Lebensweg betonte:

“As an immigrant and as a CEO, I’ve both experienced and seen the positive impact that immigration has on our company, for the country, and for the world. We will continue to advocate on this important topic.”

Mehr zu unserer Unternehmenskultur und zu Diversity @ Microsoft kann hier nachgelesen werden.

Ein Beitrag von Markus Köhler
Senior Director Human Resources und Mitglied der Geschäftsleitung von Microsoft Deutschland

Markus_Koehler


Comments (5)

  1. Alexander Lichtblau sagt:

    Als Kunde und Partner von Microsoft kenne ich die wirklich gelebte. Bei meinen Kontakten mir Microsoft Mitarbeitern war es völlig egal welche Nationalität, Hautfarbe oder Abstammung mein Gesprächspartner hatte. Dank moderner Kommunikationsmitteln wusste ich manchmal nicht einmal wo auf der Erde sich mein Gesprächspartner befindet. Der sicher auch daraus resultierende Erfolg gibt Microsoft recht.
    Es ist nur zu hoffen, dass der derzeitige immerhin demokratisch gewählte Präsident der USA, sehr schnell erkennt wie wichtig Menschen (und nicht deren Abstammung) für sein Land sein können.

  2. John Doe sagt:

    Microsoft sollte aufhören sich in die Politik einzumischen. Als Unternehmen sollte man auf jeden Fall Bürger aller Nationalitäten als Mitarbeiter aufnehmen und Geschäfte mit allen Staaten dieser Welt führen.

    Doch Microsoft sollte keine Politik oder politische Propaganda in Deutschland betreiben. In den USA verhält sich Brad Smith recht leise, wieso sollte er so eine riesen Sache daraus machen? Vor allem nicht mal in seinem Land.

    1. Hallo John,
      als Unternehmen tragen wir auch eine gesellschaftliche Verantwortung. Um dieser gerecht zu werden, erheben wir auch immer wieder zu gesellschaftspolitischen Themen und Entwicklungen unsere Stimme (auch auf unserem Politik-Blog nachzulesen).
      In unserer Unternehmenskultur sind Diversity und Inclusion fest verankert. Oder in den Worten unseres CEOs Satya Nadella: “As an immigrant and as a CEO, I’ve both experienced and seen the positive impact that immigration has on our company, for the country, and for the world. We will continue to advocate on this important topic.”

      Viele Grüße

    2. Harald Sassen sagt:

      Hallo John Doe,
      meiner Meinung nach, sollte ein Mensch der nicht genügend Rückrat hat, zur seinen Ansichten und Meinungen auch mit seinem Namen zustehen, diese lieber für sich behalten und nicht meinen, er dürfe einem erfolgreichen Unternehmen eine Politik vorschreiben… das geht ja schon Richtung Faschismus…

      Ein Ergebnis der Politik von Präsident Trump -> Meine für diese Jahr mehrwöchige Reise durch Nevada und Kalifornien, hat sich für mich erledigt. Und ich glaube, dass sich so auch noch einige andere entschieden haben.

      …und ich hatte nach Bekanntgabe des Wahlergebnis noch gedacht “Vielleicht ist es mal gut, dass kein Berufspolitiker diese Amt inne hat. Vielleicht wird jetzt mal konstruktiv an Steuer und Wirtschaft gearbeitet.” Nun ja… mit dem “USA First”… wird wohl nun nach dieser Amtszeit, ein “USA the Last” das Resultat sein.

  3. wer weiß sagt:

    Immernoch weigern wir uns zu erkennen, dass das kein persönlicher Angriff auf diese Personen ist.

    90 Tage sind nur 90 Tage aus gutem Grund. Beruhigt euch wieder. Sie wird dort unten nicht verhungern.

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