Warum SuperFetch nicht deaktiviert werden sollte


Schaut man sich im World Wide Web zum Thema SuperFetch um, stößt man leider immer wieder auf Seiten, die SuperFetch, bzw. das Prinzip dahinter nicht verstanden haben. Man findet immer wieder Aussagen wie „SuperFetch belegt den kompletten RAM, dadurch wird das System nicht beschleunigt sondern verlangsamt“. Leider findet man dann auch immer wieder Hinweise dass man SuperFetch auf Grund dessen deaktivieren sollte, das würde das System beschleunigen. Wenn Sie auch bereits solche Meldungen gelesen haben, oder sogar SuperFetch aufgrund solcher Hinweise deaktiviert haben, lesen Sie diesen Blogeintrag und denken einmal darüber nach.

Fangen wir mit dem ersten Missverständnis an: „SuperFetch belegt den gesamten verfügbaren Speicher, dadurch wird das System langsam, da viele Seiten aus dem Pagefile von Disk geladen werden müssen …“

Auf den ersten Blick mag das so aussehen, wenn man z.B. im Taskmanager einfach nur den Wert der aktuell freien Speicherseiten betrachtet, wird jeder sehen dass  bei den meisten Windows Vista / Windows 7 Systemen nur noch wenige „freie“ Speicherseiten vorhanden sind. Das legt nahe das Windows bzw. SuperFetch hier den Speicher belegt, so das kaum noch etwas zur Verfügung steht. Schaut man allerdings genauer hin bemerkt man eine wichtige Zeile darüber. In der Zeile "Im Cache"  wird angezeigt wie viele der Speicherseiten im Cache zwischengelagert sind. Diese Speicherseiten können bei Bedarf schnell wieder frei gegeben werden, sobald sie benötigt werden. Wenn man es also korrekt betrachtet sieht das Ganze so aus, SuperFetch nutzt die vorhandenen freien Speicherseiten so gut es geht aus, und füllt diese mit Informationen auf um sie sinnvoll zu nutzen, statt brach liegen zu lassen. Wenn anderweitig Speicher benötigt wird, gibt SuperFetch die Seiten schnell wieder frei so das diese dem System wieder zur Verfügung stehen.

Durch ein manuelles Deaktivieren von SuperFetch über die Registry greift man in das Speichermanagement des Systems ein. Bei einem Blick in den Taskmanager stellt man dann zwar fest dass mehr freie Speicherseiten zur Verfügung stehen, allerdings merkt man wie Tests gezeigt haben auch das das System, z.B. bei der Boot Performance deutlich langsamer wird. Freier Speicher bedeutet nicht gleich, mehr Performance, sondern in diesem Kontext schlechte Ausnutzung der vorhandenen Möglichkeiten. Das Deaktivieren führt nicht zu einer Beschleunigung des Systems, sondern aufgrund dessen das die vorhandenen freien Speicherseiten ungenutzt bleiben, statt Sie zur Beschleunigung des Systems zu nutzen, führt das Abschalten von SuperFetch sogar zu einer Verlangsamung des Systems. Vergleichbar ist das wenn man ein schnelles Auto besitzt und statt die Leistung nutzen zu können, falls man sie benötigt, drosselt man die Leistung des Motors, so dass man nur noch einen Bruchteil der Leistung nutzen kann.

Ein weiteres Missverständnis auf das ich ab und an stoße ist:„wir setzen SSD Festplatten ein, da wird SuperFetch eh nicht benötigt, daher schalten wir es ab“

An sich ist die Überlegung zunächst einmal korrekt, bei einer SSD gibt es in vielen Fällen vermutlich keinen Vorteil  durch die SuperFetch Technologien. Allerdings prüft Windows selbstständig, wie in meinem SuperFetch Eintrag bereits erwähnt, ob eine schnelle SSD Festplatte im System verbaut ist und deaktiviert SuperFetch dann von sich aus. Sie müssen hier also nicht selbst eingreifen, sondern können es Windows überlassen, SuperFetch zu deaktivieren. Die Tests von Windows zielen dabei auf die Geschwindigkeit der verbauten SSD Festplatte: sie muss eine gewisse Schreib- und Lesegeschwindigkeit und insgesamt ein WinSAT Score von > 6.5 erreichen, dann reagiert Windows und deaktiviert SuperFetch.

Wie man sieht wenn man etwas genauer hinschaut besteht also überhaupt kein Bedarf manuell in die Registry und das System einzugreifen um SuperFetch zu deaktivieren.

Ich hoffe ich konnte ein klein wenig weiterhelfen um die Zusammenhänge zwischen SuperFetch und dem Arbeitsspeicher aufzuzeigen und Aufzeigen das SuperFetch manuell zu deaktivieren, a) eine schlechte Idee ist und b) bei SSD´s nicht notwendig ist.

Damit beschließe ich meine Windows 7 Blogeinträge. In den nächsten Einträge werde ich mit Windows 8 beschäftigen. Ich werde versuchen Euch gemeinsam mit meinem Blog Kollegen Manuel Singer die neuen Windows 8 Boot und Security Features Measured Boot, Authenticated Boot, Secure Boot und Enhanced Secure Boot näher zu bringen.

 

Weiterführende Informationen zum Thema SuperFetch:

 Ein Video zum Thema SuperFetch (englischsprachig):

https://channel9.msdn.com/shows/Going+Deep/The-Advancement-of-Windows-Michael-Fortin-Windows-Vista-SuperFetch/

Eine sehr lesenswerte englischsprachige Frage und Antwort Seite zum Thema SSD Festplatten und was das System deaktiviert und was nicht finden Sie hier (englischsprachig).

 

Comments (1)
  1. Erik P. says:

    Bei mir war es der fall, dass mein Datenträger zu 100% ausgelastet war, bis ich SuperFetch deaktiviert habe. Dann ging es sofort auf 10-20% herunter. Jetzt stell ich mir die Frage, soll ich es wieder anmachen und wieder meine Festplatte zu 100% auslasten,
    oder es auslassen und meine Festplatte ein wenig schonen.
    Meine Festplatte ist übrigens eine Seagate Barracuda mit 1TB Festplattenspeicher.

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