Upgrade auf Windows 7 – Ein Erfahrungsbericht


Gastbeitrag von Ralf Schnell, Technical Evangelist in der Developer Platform & Strategy Group und zuständig für Windows Server 2008, ITIL und das Microsoft Operations Framework.

Über die Optionen, die für einen Upgrade zu Windows 7 verfügbar sind, ist bereits ausführlich berichtet worden. Wie viele von Ihnen wissen, habe ich meinen Studio-PC bisher auf Windows Vista belassen, da einige der Hardware- und Software-Komponenten, die ich für die Musikproduktion einsetze, noch nicht mit Windows 7 kompatibel waren. Das hat sich jetzt geändert: Für alle Komponenten sind Treiber, Dokumentation und Support für Windows 7 vorhanden. Also habe ich meinen Weihnachtsurlaub dazu genutzt, meinen PC auf Windows 7 zu bringen.

Die einzelnen Schritte werde ich an dieser Stelle nicht nochmals ausführlich erklären – Sie finden alle relevanten Informationen in meinem Blogbeitrag “Windows 7 Upgrade Center: Alle Ressourcen für einen erfolgreichen Upgrade”. Statt dessen möchte ich auf einige Punkte eingehen, über die ich bei meinem Upgrade gestolpert bin.

Bevor Sie weiterlesen, bedenken Sie bitte, dass ich eine seltene und ungewöhnliche PC-Konfiguration betreibe. Ein PC in der Musik- bzw. Videoproduktion muss Echtzeit-Anwendungen unterstützen, und das bedingt spezielle Treiber mit extrem niedrigen Latenzen. Die Probleme, die ich zu lösen hatte, werden bei Ihnen wahrscheinlich nicht auftreten, aber eine Optimierung Ihrer Konfiguration anhand der unten beschriebenen Punkte kann die Leistungsfähigkeit Ihres PCs eventuell trotzdem signifikant steigern. Zwei Punkte möchte ich dabei besonders betonen:

  • Dass Ihre Hardware und Software vollständig Windows 7-kompatibel ist, heißt nicht zwingend, dass diese im Zusammenspiel unter Windows 7 problemlos funktioniert, auch wenn das unter Windows Vista der Fall war. In 99% aller Fälle wird der Upgrade völlig problemlos durchlaufen, insbesondere falsch angeschlossene Hardware oder falsche Einstellungen im BIOS können aber gegebenenfalls unter Windows Vista toleriert werden und unter Windows 7 zu Problemen führen.

  • Ein Upgrade ist eine gute Gelegenheit, die PC-Konfiguration gründlich zu überprüfen und gegebenenfalls zu optimieren. Siehe oben: Fehlkonfigurationen mindern auf jeden Fall die Systemleistung, selbst wenn keine akuten Probleme auftreten!

Schnittstellen

USB ist nicht gleich USB, Firewire ist nicht gleich Firewire! Von USB gibt es mittlerweile drei Versionen mit gleichem Anschluss, jedoch unterschiedlichen Übertragungsraten, Firewire gibt es ebenfalls in unterschiedlichen Versionen mit unterschiedlichen Anschlüssen und Übertragungsraten. Sowohl USB als auch Firewire sind abwärtskompatibel. Also eigentlich kein Problem, ist ja beides ‘Plug and Play’ … !  Ja, ist es, und irgendwie wird’s auch meistens funktionieren. Webcams, Drucker, Scanner und dergleichen sind da weitestgehend unproblematisch. Meine ‘MIDI über USB’-Treiber jedoch haben das zwar unter Windows Vista mitgemacht, unter Windows 7 aber nicht.

Heißt das, dass Windows 7 hier eine Schwachstelle hat? Nein, das heißt zunächst nur, dass ich meine Hardware falsch angeschlossen habe. Diese Schnittstellen sind zwar abwärtskompatibel, aber Treiber für Echtzeit-Anwendungen, wie ich sie verwende, reizen die Schnittstellen auf eine Art und Weise aus, die bei einer solchen Fehlkonfiguration schon mal zu Störungen führen kann. Wenn Sie also bei einer Ihrer Komponenten unter Windows 7 Probleme bekommen, überprüfen Sie als erstes, ob die korrekte Schnittstelle verwendet wird. Achtung: Damit es nicht zu einfach wird, schaltet so mancher USB-Hub sämtliche Ports von v2.0 oder v3.0 auf v1.0, sobald Sie ein einziges USB1.0-Gerät dort anschließen!

Energiespar-Optionen

Für die meisten PCs ist es sinnvoll und unproblematisch, die von der Hardware zur Verfügung gestellten Energiespar-Optionen im BIOS einzuschalten und im Betriebssystem die voreingestellte Konfiguration zu verwenden. Dann wird zum Beispiel die CPU dynamisch heruntergetaktet und gegebenenfalls einzelne Festplatten abgeschaltet.

Man sieht an diesem Beispiel, dass zwischen Windows Vista und Windows 7 durchaus signifikante Unterschiede bestehen: Bei mir hat das unter Windows Vista funktioniert, unter Windows 7 führt das jedoch in meinem Fall zu Problemen, denn der Treiber meines Audio-Interface kann damit nicht umgehen.

In aller Deutlichkeit: Das ist KEIN Aufruf, die Energiespar-Optionen generell auszuschalten!!! Ganz im Gegenteil - diese Optionen können den Energieverbrauch signifikant drosseln und damit die Stromrechnung wohltuend beeinflussen. Schalten Sie diese Optionen ein und testen Sie damit Ihren PC. Wenn’s aber doch Probleme gibt (z.B. Aussetzer bei der Audio-Wiedergabe oder ruckeln bei Video-Wiedergabe), hilft möglicherweise das Deaktivieren dieser Optionen.

SATA-Festplatten

Tja, das liebe Kleingedruckte mal wieder … ich habe mehrere SATA-Platten in meinem Rechner und war mit den erzielten Durchsatz-Raten nicht wirklich zufrieden. Treiber und Konfiguration schienen korrekt zu sein – warum also sind diese Platten so langsam? Die Lösung fand sich im BIOS: dort war der SATA-Controller so konfiguriert, dass er die Platten in den IDE-Modus zwingt, der deutlich langsamer ist. Das ist sehr oft die Voreinstellung im BIOS; Sie sollten diesen Punkt also auf jeden Fall bei Ihren PCs überprüfen und gegebenenfalls korrigieren, indem Sie den SATA-Controller in den AHCI-Modus (= Advanced Host Controller Interface) schalten.

ACHTUNG !!!  Wenn Sie Windows Vista beziehungsweise Windows 7 bereits installiert haben und erst nachträglich den AHCI-Modus aktivieren, wird ihr PC wahrscheinlich nicht mehr booten können, da kein AHCI-Treiber installiert wurde. Sollte das der Fall sein, können Sie natürlich im BIOS einfach wieder in den IDE-Modus wechseln. Dieser Artikel erklärt, wie Sie in diesem Fall vorgehen können, um den AHCI-Treiber zu aktivieren.

Hilfsprogramme

Für die meisten PCs und Notebooks werden vom Hersteller diverse Hilfsprogramme angeboten. In meinem Fall sind das Programme, die CPU und RAM dynamisch hochtakten, SATA-Festplatten überwachen, automatisch im Internet nach Firmware-Updates suchen und so weiter.

Das sind sicher alles nützliche Dinge, die allerdings nicht notwendigerweise vollständig kompatibel mit Ihrer Hardware und Software sein müssen. Mein Tipp ist, zunächst nur alle Treiber zu installieren und Hilfsprogramme wegzulassen. Läuft der PC damit stabil, können Sie die wirklich benötigten Hilfsprogramme einzeln installieren und jeweils danach den PC testen. So finden Sie schnell heraus, welches Hilfsprogramm gegebenenfalls Probleme verursacht.

Mit freundlichen Grüßen!
Ralf M. Schnell

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