KI in Echtzeit – für alle!


Logbucheintrag: 180516


Microsoft hat auf der Entwicklerkonferenz Build in Seattle nicht nur eine große Zahl von Software von Development Kits vorgestellt, mit denen Entwickler künftig schnell und mit der Rechenleistung aus der Azure-Plattform – also kostengünstig – neue KI-Anwendungen erstellt werden können. Die vielleicht am weitesten reichende Ankündigung ist mit dem Projekt Brainwave verbunden. Denn damit bringen wir künstliche Intelligenz wieder aus der Cloud in die Nähe der Endgeräte.

Das hat vor allem einen Vorteil: die Latenzzeiten, die zwischen dem Impuls im Smartphone, in der Drohne, der Fertigungsmaschine oder einem Roboter vor Ort, seiner Verarbeitung in der Cloud und der Aktualisierung der Ergebnisse im Endgerät vergeht, wird weiter reduziert. Was bei der Spracherkennung mit Cortana auf dem Smartphone kaum wahrgenommen werden kann, könnte bei einem Co-Bot, der auf die Gesten seines menschlichen Kollegen reagieren soll, zu einer fatalen Zeitverzögerung führen. Projekt Brainwave bringt also die Verarbeitungsfunktionen von Machine Learning wieder zur Maschine zurück.

Damit ist KI in Echtzeit Realität geworden. Bereits im Sommer letzten Jahres angekündigt, hat das Projekt jetzt konkrete Formen angenommen. Microsoft setzt dabei auf drei Bausteine:

  • eine Leistungsfähige Cloud-Architektur mit der Azure-Plattform,
  • sogenannte FPGAs – Field Programmable Gate Arrays - , mit denen kundenindividuelle Schaltungen, insbesondere neuronale Netze vor Ort programmiert werden können,
  • ein Compiler beziehungsweise eine Laufzeit-Umgebung, um trainierte KI-Modelle über alle Geräte ausrollen zu können.

Damit haben KI-Entwickler und –Anwender künftig zwei Optionen. Sie können mit den jetzt vorgestellten SDKs Lösungen für die Azure-Plattform entwickeln und für jedes beliebige Endgerät im Internet bereitstellen oder sie können die KI-Funktionen zur Intelligent Edge konzipieren und damit weitgehend unabhängig von Bandbreiten und Verfügbarkeiten im Internet sein.

Damit verdoppeln sich die Einsatzmöglichkeiten für KI-Lösungen auf einen Schlag. Es wird höchste Zeit, dass wir mit Partnern und Kunden über den Einsatznutzen dieser KI-Infrastrukturen reden und die Möglichkeiten in die Digitalstrategien der Zukunft einbauen.

Denn eines hat die Build auch gezeigt: Was wir jetzt an Entwicklungen im Bereich künstlicher Intelligenz erleben, ist nur der Anfang einer Riesenwelle, die uns in den kommenden Jahren nicht überrollen, aber anheben wird. Dabei gilt es auch zu fragen, was Computer mit Hilfe von KI-Funktion tun können und was sie wirklich tun dürfen. Microsofts CEO Satya Nadella hat diese Frage auf der Build-Konferenz aufgeworfen und zugleich erklärt, dass Microsoft für diese Fragen eine eigene und unabhängige ethik-Kommission ins Leben gerufen hat. Sie soll künftig so etwas wie eine Technikfolgen-Abschätzung betreiben.

Was zunächst nur nach innen wirken soll, kann in absehbarer Zeit auch zu einem intensiven Dialog mit Partnern und Kunden führen. Denn wir bei Microsoft wollen KI demokratisieren – das bedeutet einerseits, dass wir diese neue Technologie möglichst vielen zur Verfügung stellen wollen. Andererseits wollen wir damit aber auch bewirken, dass künstliche Intelligenz nicht von Eliten missbraucht wird, die damit antidemokratische und diktatorische Ziele verfolgen.

„KI in Echtzeit – und zwar für alle“, das ist das Ziel, das Microsoft verfolgt. Das gilt für die Intelligent Cloud ebenso wie für die Intelligent Edge.


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