AI – die fünfte Software-Revolution


Logbucheintrag 171025:

Gastbeitrag von Heinz-Paul Bonn, HPBonn Consulting

Was war das für ein verrücktes Jahr für Microsoft Azure Partner in Deutschland:

  • Seit September 2016 ist Microsoft Azure in deutscher Datentreuhand verfügbar
  • Im Januar 2017 folgten Power BI Deutschland und Office 365 Deutschland
  • Seit Juni steht Dynamics 365 Deutschland bereit
  • Und mit Microsoft 365 entstehen jetzt neue Bundles, die Windows 10, Office 365 sowie Enterprise Mobility und Security verknüpfen. Gerade eben sind die Bundles „Education“ und „F1“ für Firstline-Mitarbeiter erschienen.

Dies zeigt eines ganz besonders: mit der Cloud nimmt die Weiterentwicklung des Microsoft Solution Stack eine bisher nie gekannte Dynamik an. Es ist kein Wunder, dass viele Partner noch hinter der Entwicklung herlaufen. Das Lösungsangebot wächst in der Cloud mit jedem Update. Aber nicht nur der Funktionsumfang wächst. Auch das Business-Potential nimmt von Monat zu Monat radikal zu. Wir erreichen neue Märkte und werden in bestehenden Märkten stärker.

Ein Beispiel soll das verdeutlichen: Inzwischen sind die Umsätze mit Office 365 bei Geschäftskunden höher als die Erlöse aus klassischen Lizenzverträgen. Wir haben also den Punkt erreicht, wo praktisch die Hälfte der Geschäftskunden Office in der Cloud nutzt und dem alten Lizenzmodell Ade sagt. Das ist ein Trend, der nicht nur unumkehrbar ist, sondern der sich auch weiter beschleunigt. Bis Mitte 2019 sollen schon zwei Drittel der Geschäftskunden Office 365 aus der Cloud nutzen. Und auch bei Dynamics 365 geht der Trend in diese Richtung.

Kurz gesagt: die Cloud-Angebote auf der Basis von Microsoft Azure sind keine Alternative zum Lizenzgeschäft – sie sind das Geschäft.

Für uns Partner bedeutet das, dass wir unsere Eigenentwicklungen, unser Intellectual Property, ebenfalls zügig in die Cloud verschieben. Nur so können wir mit eigenen Produkten von der Dynamik profitieren. Aber wir können auch unser IP auf diese Weise über den Microsoft App Store zusätzlich vermarkten – eine Chance, die die meisten heute noch ungenutzt lassen.

Und dabei haben wir die wichtigste und tiefgreifendste Veränderung durch die Cloud noch gar nicht berücksichtigt. Die dritte Welle der Digitalisierung ereignet sich jetzt – auf der Ignite in Orlando, auf der Directions in Madrid und hier auf der DPK in Leipzig: Mit Big Data, Predictive Analytics, Spracherkennung oder Machine Learning kommen jetzt intelligente Angebote aus der Cloud, die die bestehenden Lösungen grundlegend verändern und damit noch einmal Schub geben. Von Office bis Dynamics werden die Features und Zusatzmodule explodieren, wenn wir erst richtig verstanden haben, welche Geschäftsvorfälle mit diesen Services revolutioniert werden können.

Die zunehmende Cleverness von KI-gestützten Lösungen beginnt ja schon bei Office 365. Excel zum Beispiel erkennt mithilfe von KI, dass der Feldinhalt „Indien“ einen Staat bezeichnet und dass „MSFT“ eine Aktie repräsentiert. Und mit Insights können Office-Insider ab 2018 auf einen KI-Dienst zurückgreifen, der Muster in komplexen Daten erkennt. Man muss sich das mal vorstellen: Big Data mit Excel!

Weitere Beispiele für KI-Funktionen, die künftig serienmäßig in Microsoft-Lösungen inkorporiert werden, sind ein personalisiertes Bing für eine optimierte unternehmensinterne Suche, der Windows AutoPilot für die automatisierte Installation neuer Endgeräte im Unternehmen und ein KI-basierter Compliance Manager für die Einhaltung der EU-Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO).

All das zeigt: wenn wir uns in einem Jahr auf der nächsten DPK treffen, werden wir über Tausende solcher kleiner KI-Helferlein reden, die mit Hilfe von Cloud-Services zur Verfügung stehen. Sie werden nahtlos und völlig transparent in den bestehenden Solution Stack rund um Office oder Dynamics integriert sein und Unternehmenslösungen auf ein noch nie geahntes Level der Automatisierung und Autonomie hieven.

Es zeigt aber auch: Wenn es gelingt, komplett neue Anwendungssegmente zu entwerfen und mit KI-Lösungen zu befüllen, haben Partner mit Microsoft-Lösungen völlig neue Alleinstellungsmerkmale.

Ein paar Beispiele:

  • Das 2015 gegründete Berliner Startup Civey ist ein Meinungsforschungsunternehmen, das inzwischen den etablierten Marktbefragern den Druck macht, weil ihre Online-Befragungen durch KI-Methoden nicht nur präziser sind, sondern auch schneller.
  • Interessant ist auch fredknows.it (Sprich: Fred knows it), eine Plattform für sprachgeführte Benutzerhilfe bei Cloud-Anwendungen. Der Nutzer beschreibt Fred das Problem und nach ein paar Zusatzfragen, kommt Fred schließlich mit der Lösung rüber.
  • Inspirent ist ein Startup für die automatische Analyse von Geschäftsdaten, die völlig ungeahnte Einsichten aus bestehenden Unternehmensdaten ziehen kann. Parlamind arbeitet als virtuelles Teammitglied im Kundenservice, indem es als Agent wiederkehrende Kommunikationsaufgaben übernimmt.
  • Searchink ist noch in der sogenannten Seed-Phase. Das Startup will mit KI Handschriften lesen und nach Informationen durchsuchen.
  • Twenty BN – oder Twenty Billion Neurons – baut mit Deep Learning-Funktionen eine Plattform für die industrielle Wirtschaft, auf der Anwendungen zur Sprach-, Bild- und Videoanalyse zum Beispiel für die qualitätsorientierte oder medizinische Diagnostik bereitgestellt werden.
  • Und Xbird liest Bewegungsdaten aus dem Smartphone aus und sendet Warnungen an den Benutzer, wenn sich daraus Symptome einer Erkrankung erkennen lassen.

Aber es hilft uns nicht, die Lösungen anderer zu bestaunen. Unser Lernziel muss lauten, selbst kreative Mechanismen in Gang zu setzen, um mithilfe von KI neue Anwendungsmöglichkeiten zu schaffen und umzusetzen. Wir wollen auf dieser Partnerkonferenz damit starten diese Kreativität, diese Imagination für völlig neue Anwendungswelten freizusetzen.

Aber es gibt noch eine zweite Herausforderung – jenseits der Planung und Entwicklung von KI-Lösungen. Und das ist das Pricing. Künstliche Intelligenz schafft einen erheblichen Mehrwert für Unternehmen, der weit über dem Aufwand steht, der zu ihrer Erstellung notwendig ist. Das ist das vielleicht Faszinierendste an diesen neuen Geschäftsmöglichkeiten: Wir werden mit KI-Funktionen mehrwertorientierte Preismodelle etablieren müssen.

Wir stehen an der Schwelle einer fünften Software-Revolution – wir veredeln bestehende Lösungen und schaffen völlig neue Anwendungswelten durch die Nutzung generischer KI-Funktionen, die über Microsoft Azure angeboten und über APIs integriert werden können.

Nichts weniger als die Demokratisierung der künstlichen Intelligenz strebt Microsoft nach den Worten ihres CEO Satya Nadella an. Aber dazu müssen wir uns, unsere Lösungsangebote und unseren Beratungsansatz völlig neu erfinden. Satya Nadella sprach von 4,5 Billionen Dollar Marktvolumen durch KI. Das ist bei weitem genug für jeden. Wir wären töricht, wenn wir nicht danach greifen würden.


Comments (0)

Skip to main content