Zur Arbeit der Zukunft gehört Vertrauen


Ich stand an meinem ersten Tag im Frühjahr 2013 am Empfang von Microsoft in München. Nachdem ich dreizehn Jahre in verschiedenen Konzernen gearbeitet habe, sollte ich nun als Personalchefin bei Microsoft Deutschland einsteigen. Ich sagte, wer ich bin – und die junge Frau am Empfang verwendete prompt dieses irritierende Wort: „du“. Der erste Touch-Point mit dem Unternehmen – und gleich „du“. Sie hat mich von Anfang an geduzt. Ich war die Elke. Ich war jetzt im Team, ich war eine Duz-Kollegin, obwohl wir uns noch nie zuvor gesehen hatten.

Mit diesen Worten habe ich in dem Buch Out of Office, das ich gemeinsam mit meinem Kollegen Thorsten Hübschen – zuständig für das Office-Geschäft von Microsoft Deutschland – geschrieben habe, meinen Einstieg bei Microsoft dargestellt. Für einige mag das verwunderlich klingen…aber: Ich habe das Duzen anfangs tatsächlich als kleinen Kulturschock empfunden. Doch der war schnell überwunden und das zunächst so irritierende „du“ wurde für mich nicht nur zur Selbstverständlichkeit, sondern vor allem auch zu einem Zeichen von Vertrauen und Nähe – und darüber hinaus zu einem Sinnbild für eine neue Arbeitskultur, die weniger auf Hierarchien setzt, sondern auf die bestmögliche, individuelle Organisation von Arbeit.


Microsoft-Personalchefin Dr. Elke Frank (2.v.r.) auf der Buchpräsentation von „Out of Office“
gemeinsam mit (v.l.n.r) Jeanette Gusko (Change.org), Karl-Heinz Brandl (ver.di), Dr. Thorsten Hübschen (
verantwortlich für das Office Geschäft bei Microsoft Deutschland) und Markus Albers (rethink)

 

Das ganz entscheidende Wort ist dabei Vertrauen. Es bildet das Fundament und ist Ausgangspunkt für den Wandel in der Arbeitswelt. Bei Microsoft haben wir diesen Begriff ganz bewusst ins Zentrum unserer flexiblen Arbeitszeitmodelle gestellt. Schon seit geraumer Zeit gilt bei Microsoft die Vertrauensarbeitszeit. Im vergangenen Jahr haben wir zusätzlich eine Betriebsvereinbarung zum Vertrauensarbeitsort abgeschlossen. Was schon lange gelebte Praxis war, haben wir damit auch offiziell zu Papier gebracht: Jeder Mitarbeiter kann bei Microsoft selbst entscheiden, wann und wo er arbeiten möchte. Im Vordergrund steht nur, die vorab vereinbarten Ziele und Ergebnisse zu erreichen.

Eine weitere unverzichtbare Komponente für die neue Arbeitswelt ist ein modernes Bürogebäude. Die Bedeutung des festen Arbeitsplatzes nimmt zwar ab, je mobiler und flexibler wir arbeiten – das Büro wird aber gleichzeitig als Ort der Vernetzung und des Austausches immer wichtiger. Und diese Entwicklung muss sich auch im Gebäude widerspiegeln. Im Buch haben wir es so beschrieben: Wir können unseren Kunden nicht empfehlen, neue Technologien zu nutzen, sich unabhängiger von Ort und Zeit zu machen, kollaborativ zu arbeiten – und dann selbst in einem dunklen Verwaltungstrakt sitzen und akribisch Papiere sortieren.“ Mit unserer künftigen Unternehmenszentrale in München-Schwabing gehen wir auch hier mit gutem Beispiel voran: Wir schaffen in prominenter Lage in München ein Gebäude, das mit seinen Räumlichkeiten und durch den Einsatz neuester Technologien genau auf die Bedürfnisse unserer Mitarbeiter zugeschnitten sein wird.

Kurzum: Wir sprechen bei Microsoft nicht nur von der neuen Arbeitswelt, wir leben sie tagtäglich vor. Und genau deshalb habe ich gemeinsam mit Thorsten Hübschen das Buch Out of Office geschrieben: Weil wir unsere Erfahrungen, die wir bei Microsoft mit neuem Arbeiten machen, weitergeben möchten. 90 Prozent unserer Mitarbeiter nutzen die vielfältigen flexiblen Arbeitsmodelle – von Vertrauensarbeitszeit, über Vertrauensarbeitsort, bis hin zu Teilzeitmodellen und Sabbaticals. Rund 60 bis 70 Prozent unserer Arbeit leisten wir außerhalb des klassischen Büros. Und gerade weil wir immer seltener zeitgleich an einem Ort anzutreffen sind, braucht flexibles Arbeiten Regeln und Rahmenbedingungen. Dafür gibt es bei Microsoft einen Leitfaden für erfolgreiches flexibles Arbeiten, den sogenannten How to Guide. Darin sind jeweils zehn Regeln für Arbeitnehmer wie auch Arbeitgeber enthalten. Den Guide nutzen wir sowohl intern, wollen aber auch andere Unternehmen damit unterstützen, den Sprung in die moderne Arbeitswelt zu meistern.

Dass dieser Bedarf besteht, zeigen beispielsweise neueste Zahlen des BITKOM, laut denen es in drei Viertel der deutschen Unternehmen nach wie vor Anwesenheitspflicht für alle Mitarbeiter an traditionellen Büroarbeitsplätzen gibt. Immerhin ist aber fast ein Viertel der Unternehmensverantwortlichen (24 Prozent) bereits der Ansicht, dass der Anteil der Büroarbeitsplätze mit Anwesenheitspflicht in Zukunft sinken wird und die Mitarbeiter mobiler und flexibler arbeiten werden – im Home Office, beim Kunden vor Ort oder unterwegs.

Out of Office richtet sich an alle, die gemeinsam mit uns die Debatte um das neue Arbeiten vorantreiben wollen: Unternehmensverantwortliche, Vertreter aus Politik und Gesellschaft und nicht zuletzt die Wissensarbeiter, die mit ihren Fähigkeiten einen wichtigen Beitrag zum Unternehmenserfolg leisten. Ich lade Sie ein, mit uns weiter über die Arbeit der Zukunft zu diskutieren. Sie können zum Beispiel auf der Out of Office-Website oder über Twitter unter #OutofOffice mit uns in Dialog treten. Ich freue mich auf Ihre Beiträge!

#OutofOffice

 

 

 

Ein Beitrag von Dr. Elke Frank
Senior Director Human Resources und Mitglied der Geschäftsleitung von Microsoft Deutschland

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Über die Autorin


Dr. Elke Frank ist seit August 2013 Mitglied der Geschäftsleitung von Microsoft Deutschland und ist als Senior Director Human Resources für das Personal-Ressort und damit für die insgesamt rund 2.700 Mitarbeiter zuständig. Zuvor war sie für Carl-Zeiss Vision und die Mercedes-Tochter AMG tätig.

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