Zum Tag der deutsch-französischen Freundschaft: Ein Bericht aus dem Pariser Microsoft Office


Seit Montag heißt es für mich Croissants statt Brezeln, Wein statt Bier, Französisch statt Deutsch – denn im Rahmen einer externen Station arbeite ich für die nächsten vier Wochen nicht im heimischen Büro in Unterschleißheim, sondern bei unseren französischen PR-Kollegen in Paris. Hier finden nämlich vom 11. bis 13. Februar die "TechDays" statt – mit 140 Ausstellern, 18.000 Besuchern und 300 Sessions die größte Microsoft Veranstaltung für IT Professionals und Entwickler in Frankreich. Für mich also fast schon so etwas wie ein Warm-up für die im März anstehende CeBIT.

Der heutige Tag der deutsch-französischen Freundschaft ist nun die perfekte Gelegenheit, um meine ersten Eindrücke des französischen Microsoft-Universums zu reflektieren.

Mein erster Arbeitstag im Pariser Office startete ganz standesgemäß mit Kaffee, Croissants und allerlei weiteren Leckereien, die französische Boulangeries so zu bieten haben. Et oui… die französischen Kollegen starten jeden Montag mit einem gemeinsamen Frühstück in die Woche. Daran könnte ich mich sehr gut gewöhnen! Essen – ein gutes Stichwort! Denn, so zumindest das Klischee, sind Franzosen die absoluten Feinschmecker. Nicht umsonst heißt es ja sprichwörtlich "leben wie Gott in Frankreich". Wenig überraschend spiegelt sich die Gourmandise der Franzosen auch in der Arbeitswelt wider. Nichts scheint heiliger als eine ausgiebige Mittagspause. Während in Unterschleißheim der Besuch der Kantine meist im Schnelldurchlauf erledigt wird und es schon Mittage gab, an denen wir in rekordverdächtigen zehn Minuten mit dem Essen fertig waren, nehmen sich unsere französischen Nachbarn alle Zeit der Welt. Eine Stunde Mittagspause ist Pflicht! Zum Ausgleich der langen Pause wird es abends durchaus einmal etwas länger. Auch scheint das Arbeiten im Homeoffice bei den Franzosen weniger gängig zu sein als bei uns. Flexibles Arbeiten, so mein erster Eindruck, wird bei uns in Deutschland wesentlich mehr gelebt. Hier scheint die Präsenzkultur noch sehr ausgeprägt zu sein.

Uns Deutschen wird ja gemeinhin nachgesagt, viel Wert auf Pünktlichkeit zu legen, Meetings sind straff organisiert, Zeitpläne werden eingehalten – naja, meistens zumindest 😉 Franzosen hingegen, so das Klischee, nehmen es mit der Pünktlichkeit und akkuraten Organisation nicht allzu genau… Was soll ich sagen – das hat sich in meinen ersten Tagen bei Microsoft France auch schon ein wenig bestätigt. Einige Vorurteile müssen ja schließlich auch stimmen, sonst gäbe es sie ja nicht. Da erstreckt sich ein auf 1,5 Stunden angesetztes Meeting auch gut und gerne mal über 4 Stunden.

Überhaupt scheint es teilweise einfach lockerer zuzugehen als bei uns in Deutschland. Das beste Beispiel dieser ersten Tage: Die Kollegen machten sich über zwei Tage einen Spaß daraus, die Mitarbeiter der externen PR-Agentur im Hinblick auf ein anstehendes Geschäftsessen mit der Ansage "bitte Badesachen mitbringen" auf den Arm zu nehmen. Auf Nachfragen, ob dies denn wirklich ernst gemeint sei, hielten meine Kollegen allesamt dicht und bewiesen großes schauspielerisches Talent. Den Agenturmitarbeitern stand der Angstschweiß jedenfalls auf der Stirn… Mit Geschäftspartnern in ein Hamam?!

Nicht zuletzt wäre da noch das bekannte Vorurteil, dass Franzosen keine Fremdsprachen können. Naja, sagen wir sie sind nicht gerade bekannt für ihr fremdsprachliches Talent. Die Prüfung dieses Klischees haben mir die Franzosen in den letzten Tagen quasi abgenommen – denn unzählige Male bestätigten mir meine Gesprächspartner bereits frei heraus "On est nul en langues étrangères" ("Wir sind so miserabel in Fremdsprachen").

Vier spannende Wochen liegen nun vor mir. Als Deutsche im französischen Büro eines amerikanischen Konzerns – da prallen drei Kulturen förmlich aufeinander. Ich freue mich auf die vielen kleinen kulturellen Unterschiede, die den Alltag hier so spannend machen – vor allem auf solche fernab von bekannten Klischees. Und vielleicht lässt sich zurück in Deutschland dann ja auch das eine oder andere Stück savoir-vivre aus dem französischen Büroalltag umsetzen – ich kenne zumindest eine sehr gute französische Boulangerie in München!

Posted by Maren Michaelis
Volontärin Corporate Communications


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