Was wir in einer Woche Belgien gelernt haben: Think global! Eine #CoworkingEU Gastbeitragsserie


Tobias Schwarz (Isarmatrose) und Kati Kremkau (Ostseegoere) wollen in diesem Sommer testen, wie gut es sich im grenzenlosen Europa wirklich arbeiten lässt. Für zwei Monate gehen sie unter dem Hashtag #CoworkingEU und mit Office 365 und dem Surface 3 auf #OutofOffice-Trip und stellen sich der Frage, warum wir eher vom Starbucks am Jungfernstieg oder dem Sankt Oberholz am Rosenthaler Platz aus arbeiten, anstatt vom Montmarte in Paris einen Tweet abzuschicken, auf dem Markusplatz in Venedig zu bloggen oder im Schatten der Sagrada Familia eine Präsentation zu bauen. Erste Stationen waren Dresden und Leipzig. Für uns berichten sie hier im Blog jede Woche über ihre Erfahrungen.


Nach zwei kurzen Tagen in Lille fuhren wir Richtung Brüssel, um an der "European Beer Blogger & Writer Conference" teilzunehmen. Eine Konferenz zum Thema Bier klingt erst einmal sehr spaßig, unser erster Kontakt mit der über Bier schreibenden Blogosphäre lehrte uns, dass diese Szene abseits von Klischees sehr professionell agiert. Spannend war auch hier zu beobachten, wie die traditionelle Bier-Industrie auf die neuen Medien reagiert: mit offenen Armen und vollen Gläsern.

Der Verein der belgischen Brauereifamilien hat die Konferenz gesponsert. Neben dem vollen Programm, in dem es u.a. um den Einsatz von WordPress ging, was Twitter einem bringt und wie wichtig gute Fotos für Blogeinträge sind, sorgte der Verein vor allem für viele Ausflüge in Brauereien. Perfekter Content für die Bierblogger, bei denen es immer mehr um gutes Storytelling statt der reinen Bewertung von Bieren geht.

Uns überraschte, dass keine deutschen Blogger anwesend waren, überhaupt scheint Deutschland keine Rolle in der globalen Bierblogosphäre zu spielen. Wir trafen US-amerikanische Bierjournalisten, irische Bierpodcaster und belgische Bierblogger. Vor allem als journalistisch arbeitende Blogger überraschte uns die mediale Vielfalt dieser uns bis dahin unbekannten Szene. Das hohe Niveau und die vielen Ansichten zu den verschiedensten Aspekten des Medienwandels waren inspirierend.


Gent: Die kleinste Weltstadt auf Erden

Gleich zwei weitere Höhepunkte unserer Europareise fanden wir in Gent. Mit "Floating Desk" fanden wir ein Coworking Space auf einem Boot, genau genommen einem Kahn in einem Genter Kanal. Ein Traum für zwei sehr mit dem Wasser verbundene Reisende wie wir es sind. Der Gründer Bart berichtete uns von der sehr innovativen Web-Szene der Stadt. Und das selbst er, der Besitzer eines eigenen Coworking Space, einmal die Woche in ein anderes Space geht, um sich in einer ablenkungsfreien Atmosphäre auf wesentliche Vorhaben zu fokussieren.


Bart geht ins "Like Birds" im Norden des Genter Zentrums und unser zweiter Höhepunkt. Vicky Persyn hat das Coworking Space im Norden von Gent in einer alten Gasfabrik gegründet. Auf die Frage, was Gent denn so besonders macht, erklärten sie uns, dass die Stadt unabhängig von ihrer Größe einfach alles so betrachtet, als sei sie eine Weltstadt. Die Stadt mit ihren 248.000 Einwohnern hat aufgehört, in kleinen Maßstäben zu denken und wirkt so auch gleich viel lebendiger.


Gent ist dadurch die heimliche Startup-Hauptstadt Belgiens geworden. Unternehmen kommen zum Gründen hier her und viele der in Brüssel arbeitenden Menschen wohnen in Gent. Wir haben hier die besten Übersichtsseiten zum Thema Coworking und Startups gefunden, was uns die Organisation erheblich erleichterte. Eine Stadt wie Gent hat eine eigene Website für Coworking Spaces, wie sie nicht einmal Barcelona, Paris oder Berlin hinbekommen.


Brügge: Verschlafenes Coworking-Nest

Vor genau einem Jahr waren wir schon einmal in Brügge, beklagten uns über das schlechte WiFi in unserem Hotel und mussten dringend online gehen, da es auf der Arbeit einen Engpass gab, bei dem ich aushelfen wollte. Wir fanden "De Huyskamer", ein Coworking Space, das vor allem von Urlaubern genutzt wird, die ein paar Stunden während ihres Urlaubs Arbeit wegkoordinieren.

Hier kam uns die Idee, durch Europa zu reisen und sich die Coworking-Space-Szene genauer anzuschauen. Auf unserem letzten Abschnitt der Reise haben wir uns noch Kopenhagen, Stockholm und Danzig angesehen, bevor wir die Reise beendeten und zurück kamen.

 

 

 

Ein Gastbeitrag von Katharina Kremkau und Tobias Schwarz
http://www.coworking-and-travel.eu/

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Über die Autoren


Kati, die Ostseegoere, arbeitet als freie Social-Media-Alleskönnerin für ein Berliner eLearning-Startup, eine Umweltpolitikerin und die Kiezsauna, der wohl heißeste Ort Friedrichshains. Sie ist aus Rostock und hat Politikwissenschaft in Berlin studiert. Was sie am Internet wirklich liebt, sind Listen auf Foursquare and Yelp von Orten, an denen sie leckere Delikatessen essen möchte.



Tobias leitet das Online-Magazin Netzpiloten.de, das seit 1998 das Internet erforscht. Davor arbeitete er für Tumblr, McKinsey und die Grünen. Er hat eine “Always On”-Mentalität, aber weiß, worauf es im Leben noch ankommt: ein eiskaltes Bier (er bevorzugt einen Russ) und Freizeit im Grünen mit Kati.

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