Stuttgart und Paris: Vom Coworking Space zum Accelerator – eine #CoworkingEU Gastbeitragsserie



Tobias Schwarz (Isarmatrose) und Kati Kremkau (Ostseegoere) wollen in diesem Sommer testen, wie gut es sich im grenzenlosen Europa wirklich arbeiten lässt. Für zwei Monate gehen sie unter dem Hashtag #CoworkingEU und mit Office 365 und dem Surface 3 auf einen #OutofOffice-Trip und stellen sich der Frage, warum wir eher vom Starbucks am Jungfernstieg oder dem Sankt Oberholz am Rosenthaler Platz aus arbeiten, anstatt vom Montmartre in Paris einen Tweet abzuschicken, auf dem Markusplatz in Venedig zu bloggen oder im Schatten der Sagrada Familia eine Präsentation zu bauen. Ihre Beiträge finden sich in regelmäßigen Abständen auf dem Microsoft Presse Blog.

 


Die Heimat des Digitalen Menschen

 

Der Pariser Stadtteil Sentier war schon immer als ein Händlerviertel bekannt. Neben den vielen kleinen Läden befindet sich hier mit dem Palais Brongniart auch die ehemalige Pariser Börse (heute Sitz der Euronext) und heutzutage das Startup-Zentrum der französischen Hauptstadt: NUMA. Der Name ist ein Wortspiel im Französischen, bestehend aus "numérique" und "humain", französisch für "digital" und "menschlich". Anders gesagt, hier setzen Menschen ihre Ideen für das Digitale um.

 


 

Wir besuchten das NUMA, um im Erdgeschoss das Coworking Space zu nutzen. Hier kann man kostenlos arbeiten, hat Zugang zu einem sehr schnellen Internet und zugleich ein Café mit vielen Köstlichkeiten. Tristian LeBleu, Community Manager des NUMA, berichtete uns, dass die Menschen morgens sogar Schlange stehen, um noch einen Platz zu bekommen. Es sind vor allem Freelancer und kleine Teams von zwei bis drei Leuten, die eben pünktlich mit der Arbeit beginnen möchten. Denn schließlich ist Zeit auch Geld, auch in einem kostenlosen Raum.

 

Das NUMA ist einer der begehrtesten Orte für junge Unternehmer in Paris. Trotzdem soll das Coworking Space nichts kosten, die Community verwaltet sich selber. Tristian weiß nicht, wer hier alles arbeitet. Möchte er es wissen, weil er zum Beispiel einen Designer oder eine Programmiererin sucht, fragt er die Ambassadors. Das sind hier arbeitende Coworker, die freiwillig Fragen zum Coworking Space und dem NUMA beantworten, da ihnen der Platz wichtig geworden ist. Das NUMA stellt den Coworkern nur den Raum, um alles andere kümmern sie sich selber.

 


Vom Coworking Space zum Accelerator

 


 

Dieses Commitment beruht auf der Historie des NUMA. In dem Gebäude befand sich seit 2008 das erste französische Coworking Space, La Cantine, und seit 2010 mit Le Camping auch der erste Accelerator der Stadt. Ein Accelerator unterstützt in einem bestimmten Zeitraum Startups in ihrer Entwicklung. Vor zwei Jahren schlossen sich beide Institutionen zum NUMA zusammen und schafften damit einen in Frankreich einmaligen Ort. Letztes Jahr fand hier der erste "Europäische Accelerator-Kongress" statt, auf dem der derzeitige Stand und die Zukunft der Förderung von Startups debattiert wurden.

 

Schon bei unserem Aufenthalt in Stuttgart, wo wir vor Paris waren, konnten wir etwas Vergleichbares entdecken. Eine ähnliche Wirkung hatte Coworking0711, ein Coworking Space in Stuttgart. 2011 gründeten Kathleen Fritzsche, Johannes Ellenberg und Coworking0711-Betreiber Harald Amelung hier einen Verein namens Startup Stuttgart, der sich um die Community in der Landeshauptstadt kümmern sollte. Mit zunehmender Professionalisierung wurde daraus das Unternehmen Accelerate Stuttgart, das diesen Monat als erster Accelerator der Stadt die nächste Stufe seiner Entwicklung nahm. "Das Coworking Space war der Nukleus unserer Entwicklung", wie es Johannes Ellenberg mir gegenüber im Vorgespräch für ein Netzpiloten-Interview formulierte.

 


 

Sowohl das Pariser NUMA als auch Accelerate Stuttgart haben sich aus einem Coworking Space heraus entwickelt. Ein Coworking Space kann ein Ort sein, an dem etwas Neues entsteht, wie zum Beispiel ein Startup. Diese jungen Unternehmen haben aber wiederum auch neue Bedürfnisse und brauchen mehr als nur einen Raum zum Arbeiten. Dadurch entwickeln sich auch Coworking Spaces weiter, werden zu Accelerators oder schaffen eine Mischung aus einem Accelerator und einem Coworking Space. So oder so sind es Orte, an denen man die Zukunft der Arbeit und die Vertreter einer neuen, digitalen Wirtschaft beobachten kann.

 

 

 

 

Ein Gastbeitrag von Katharina Kremkau und Tobias Schwarz
http://www.coworking-and-travel.eu/

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Über die Autoren


Kati, die Ostseegoere, arbeitet als freie Social-Media-Alleskönnerin für ein Berliner eLearning-Startup, eine Umweltpolitikerin und die Kiezsauna, der wohl heißeste Ort Friedrichshains. Sie ist aus Rostock und hat Politikwissenschaft in Berlin studiert. Was sie am Internet wirklich liebt, sind Listen auf Foursquare and Yelp von Orten, an denen sie leckere Delikatessen essen möchte.



Tobias leitet das Online-Magazin Netzpiloten.de, das seit 1998 das Internet erforscht. Davor arbeitete er für Tumblr, McKinsey und die Grünen. Er hat eine “Always On”-Mentalität, aber weiß, worauf es im Leben noch ankommt: ein eiskaltes Bier (er bevorzugt einen Russ) und Freizeit im Grünen mit Kati.

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