Statussymbol Individualität – ein Gastbeitrag von Olaf Kempin



Junge Mitarbeiter sind individuell, flexibel und anspruchsvoll – auf dem Arbeitsmarkt stehen alle Zeichen auf Veränderung

Die Generation der nach 1980 Geborenen, die sogenannte Generation Y, gilt als selbstbewusst, ehrgeizig, aber auch verwöhnt. Die Berufsanfänger haben hohe Erwartungen an den Arbeitsmarkt und stellen vieles von dem infrage, was für die Generation vorher selbstverständlich war. Und sie verändern, wie Unternehmen organisiert und geführt werden. Denn im Jahr 2020 werden 50 Prozent der Erwerbstätigen der Generation Y angehören, im Jahr 2030 bereits rund 75 Prozent.

Obwohl sie schon einen großen Teil der Arbeitnehmer ausmachen, tun sich die meisten Arbeitgeber noch schwer damit, auf die Erwartungshaltung der sogenannten GenY-ler zu reagieren. Ganz entscheidend für die nachwachsende Generation ist die Frage nach dem „Warum?“. Eine ganze Generation stellt mit ihrem Wunsch nach Veränderung die Arbeitswelt auf den Kopf.

Die Wünsche der Generation Y:

Für die Eltern der heutigen Berufsanfänger spielen Status und Sicherheit eine zentrale Rolle: Morgens fährt man ins Büro, abends zurück – am besten mit dem Dienstwagen. Persönliche Bedürfnisse werden während der Arbeit hinten angestellt. Die Grenze zwischen beruflichem und privatem Leben ist klar gesetzt. Das ist für die junge Generation vorbei. Sie ist ständig online, im Internet der Dinge sind Waren und Information zu jeder Zeit verfügbar, neue Technologien erhöhen im Alltag das Tempo: Im Zuge der Digitalisierung haben sich grundsätzliche Bedingungen verändert und die Berufseinsteiger tragen diese Veränderung in die Arbeitswelt. Statussymbole wie etwa teure Dienstwagen sind weniger attraktiv, wichtiger ist für GenY-ler eine ausgewogene Work-Life-Balance und das Gefühl, einen sinnvollen Beitrag zu leisten.

Selbstverwirklichung sorgt für einen Generationenkonflikt

Das heißt aber nicht, dass die neue Generation sensible Leistungsverweigerer sind. Die nach 1980 Geborenen sind bestens ausgebildet und hochmotiviert: Sie suchen Sinn in ihrer Arbeit statt Dienst nach Vorschrift zu schieben. Der Job soll bestenfalls die Möglichkeit zur Selbstverwirklichung bieten. Von Arbeitgebern fordern die Jungen Coachings und Weiterbildungen, sie wollen gefördert werden.

Diese Einstellung verändert auch die Kommunikation im Arbeitsleben. Etwas für sich zu behalten, so lernten es die älteren Kollegen, dient dem eigenen Weiterkommen. Bei den Jungen ist der offene und rege Austausch selbstverständlich. Wissen ist in der digitalisierten Welt nicht nur jederzeit zugänglich, sondern wird auch bereitwillig geteilt. Arbeiten Angehörige der Generation Y mit der Generation X zusammen, prallen häufig sehr unterschiedliche Vorstellungen aufeinander. Beispielsweise widersprechen das Verhalten junger Kollegen und ihr Umgang untereinander den konservativeren Vorstellungen mancher älterer Semester, die auf einen formellen Umgang großen Wert legen. Wenn aus „Sie“ immer öfter ein „Du“ wird, wirkt das auf so manchen älteren Kollegen fast schon bedrohlich.

Man lebt nur einmal

Yolo – You only live once. Was polemisch klingt, ist das Mantra einer ganzen Generation. Wenn man nur dieses eine Leben hat, sollte der Job zum Leben passen und nicht anders herum. Warum keine privaten E-Mails während der Arbeitszeit verschicken, wenn Berufliches auch samstags erledigt wird? Warum sich starren Strukturen beugen, wenn individuelle Lösungen bessere Ergebnisse erzielen und Mitarbeiter motivierter sind?

Unternehmen sollten bereit dazu sein, abseits ausgetretener Pfade zu wandern. Die Generation Y ist sich im Klaren darüber, dass sie wahrscheinlich arbeiten wird, bis sie 70 ist, trotzdem will sie die Welt nicht erst dann entdecken, wenn sie in Rente geht. Arbeitgeber können auf solche Wünsche eingehen, indem sie flexible Jobmodelle anbieten, in denen man beispielsweise Überstunden für freie Tage oder ein ganzes Sabbatical ansparen kann. Die jungen Leute richtig anzusprechen, schaffen bisher längst nicht alle Unternehmen.

Der Arbeitsmarkt braucht den Nachwuchs. Um den Forderungen und den Wünschen der Generation Y gerecht zu werden, gilt es für die Unternehmen umzudenken: Mit Rücksicht auf persönliche Lebensentwürfe, und im Einklang mit neuen Strategien.

 

 

 


Ein Gastbeitrag von Olaf Kempin
Geschäftsführer von univativ und Herausgeber des New Work Blogs univativ Journal

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