#Schichtwechsel: Was wenn Kollege Roboter unseren Job übernimmt?


Wer bietet mehr? Sind es 40, 50 oder sogar 60 Prozent aller Jobs, die in den nächsten Jahren durch intelligente Maschinen ersetzt werden? Sind es Fabrikarbeiter oder Büroangestellte, die der Digitalisierung zum Opfer fallen? Ist es die Mittelschicht, die von der anstehenden Automatisierungswelle am härtesten getroffen wird oder werden eher schlecht bezahlte, wenig qualifizierte Jobs wegrationalisiert? Profitieren vor allem die hoch entwickelten Industrienationen oder die aufstrebenden Schwellenländer vom nächsten Technologieschub?

An diesen Ratespielen beteiligen sich aktuell Arbeitsmarkt- und Konjunkturforscher, Produktionsexperten und politische Kommentaren mit Eifer. Zu welchem Ergebnis sie kommen, hängt maßgeblich von persönlichem, manchmal auch von zweckgerichtetem Optimismus oder Pessimismus ab.

Werden bald Fabrikarbeiter Industrieroboter zerstören oder Büroangestellte Server sabotieren?

Fakt ist: Bisher hat der technologische Fortschritt stets mehr neue Arbeitsplätze geschaffen als vernichtet. Das gilt auch für die Digitalisierung. Obwohl schon 1999 zwei von drei Beschäftigten in Deutschland regelmäßig mit dem Computer gearbeitet haben, ist die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung seither gestiegen. Fakt ist auch: Maschinen haben uns im Lauf der letzten 200 Jahre vor allem monotone, zumeist schlecht bezahlte, körperlich belastende und oft sogar gesundheitsschädliche Arbeiten abgenommen.

Fakt ist aber auch: Im Lauf der Geschichte gab es immer wieder viele Opfer des Fortschritts. Die Einführung des mechanischen Webstuhls hat tausenden Webern in England oder Schlesien die ohnehin prekäre Existenz geraubt. In den Aufständen der „Maschinenstürmer“ Anfang des 19. Jahrhunderts drückte sich die tiefe Verzweiflung dieser Menschen aus. Ich glaube trotzdem nicht daran, dass in den nächsten Jahren Fabrikarbeiter Industrieroboter zerstören oder Büroangestellte Server sabotieren werden.

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Für die allermeisten Jobs bedeutet Digitalisierung vor allem Wandel

Natürlich werden in den nächsten Jahren einige Berufsbilder völlig verschwinden. Davon sind laut dem Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung (IAB) aber nur 0,4 Prozent der deutschen Beschäftigten betroffen. Für die allermeisten Jobs bedeutet Digitalisierung vor allem Wandel – ein bestimmter Teil der Tätigkeit wird in Zukunft von intelligenten Maschinen übernommen. Betroffen sind mehr oder weniger alle Berufe, je stärker, umso höher der Anteil von automatisierbaren Routinetätigkeiten am Job ist.

Für viele Menschen bedeutet der Wandel aber vor allem eine Chance: Wenn in Zukunft Schreibroboter Börsennachrichten und Wetterberichte formulieren, haben Journalisten mehr Zeit für fundierte Analysen oder pointierte Meinungsbeiträge. Wenn Algorithmen statistisch fundierte Therapievorschläge erarbeiten, haben Ärzte mehr Zeit für das persönliche Patientengespräch. Und während intelligente Programme das Netz nach relevanten Grundsatzurteilen durchforsten, können sich Anwälte schon mit ihrem Plädoyer für den nächsten Tag beschäftigen. Sprich: Wenn der Kollege Roboter den eher monotonen Teil unserer Arbeit übernimmt, bleibt uns mehr Zeit für die wirklich wesentlichen Dinge: Für das Denken, für die Kreation und für soziale Interaktion. Und das gilt nicht nur für Akademiker!

Zu Panik besteht kein Anlass, wohl aber zu Diskussionen

Die Anhänger der „Singularity“ glauben fest dran, dass wir mithilfe neuer Technologien bald die ganz großen Menschheitsprobleme lösen werden. In seinem Bestseller „Überfluss“ beschreibt Peter Diamandis eine Zukunft, in der wir mithilfe von künstlicher Intelligenz und anderen exponentiell wachsenden Technologien bald die Bedürfnisse jedes Menschen auf unserem Planeten stillen können – eine schöne Vision!

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Für die Zukunft unserer Arbeit wünsche ich mir vor allem, dass möglichst viele Menschen die Chancen der Digitalisierung nutzen können. Das bedeutet zunächst, dass wir möglichst viele Menschen befähigen, künstliche Intelligenz intelligent zu nutzen und ihre menschliche Intelligenz sinnvoll einzusetzen – Thema Qualifikation, Thema Coding, Thema #besserlernen.

Das bedeutet auch, dass wir die Produktivitätsgewinne, die wir dank denkender Maschinen erzielen werden, so einsetzen, dass möglichst viele Menschen davon profitieren. Das erfordert möglicherweise auch, dass wir den Begriff „Arbeit“ ganz neu definieren müssen. Das heißt mit Sicherheit, dass wir uns alle auf Veränderung einstellen und mehr Verantwortung übernehmen müssen. Ich glaube, zu Panik besteht kein Anlass, wohl aber zu Diskussionen.

Und auf diese freue ich mich unter diesem Beitrag, unter dem Hashtag #Schichtwechsel, auf der re:publica, unserem Tumblr und überall sonst sehr!

 

Ein Beitrag von Sabine Bendiek (@bendiek)
Vorsitzende der Geschäftsführung von Microsoft Deutschland

sabine bendiek

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