In punkto Zuversicht von Indern lernen


 

Von Dr. Christian P. Illek

Im Jahr 25 nach Erfindung des World Wide Web eint das Grundvertrauen in Technik eine überwältigende Mehrheit der Menschen auf der ganzen Welt: 85 Prozent sind davon überzeugt, dass „digitale Technologien die Welt verbessern“. Große Hoffnungen hegen die Menschen in Hinblick auf wirtschaftliche Entwicklung, Bildung, Lebensqualität, Mobilität, Beschäftigung und Gesundheitswesen – in all diesen Bereichen können IT und Internet einen positiven Beitrag leisten. Allerdings, und das stimmt bedenklich, klafft zwischen der ersten und der zweiten Welt eine deutliche Lücke: Die Bewohner der Schwellenländer setzen viel höhere Erwartungen in digitale Technologien als die der Industriestaaten. Und die Deutschen zeigen sich vielfach besonders skeptisch.

Chancen nicht in allen Köpfen angekommen

Beispiel Innovation: Mehr als 80 Prozent der Indonesier, Brasilianer und Inder, aber nur 60 Prozent der Deutschen sehen IT und Internet als Triebfedern für Innovation. Dabei sind die positiven Effekte digitaler Technologien vielfach belegt. So heißt es im aktuellen Monitoring-Report Digitale Wirtschaft 2014 des BMWi: „Die Digitale Wirtschaft ist Innovationstreiber für die klassischen Industrien.“

Beispiel Startups: Mehr als 80 Prozent der Indonesier und Brasilianer, aber nur 54 Prozent der Deutschen meinen, dass digitale Technologien die Bedingungen für Unternehmensgründer verbessern. Die Tatsache, dass im Umfeld von Cloud Computing und App-Entwicklung auch in Deutschland täglich neue Geschäftsideen entstehen und die digitale Transformation den Boden für eine Vielzahl neuer Geschäftsmodelle ebnet, ist noch nicht in den Köpfen aller Deutschen angekommen.

Beispiel Produktivität: Mehr als 70 Prozent der Inder und Chinesen, aber nur 56 Prozent der Deutschen sind davon überzeugt, dass Internet und IT die Produktivität verbessern. Dabei ist auch der Zusammenhang zwischen Digitalisierungsgrad und Produktivität klar belegt, zum Beispiel durch den Index Digital des BMWi.

Beispiel Shareconomy: Von internetbasierten Services wie Uber oder Airbnb erwarten die meisten Bewohner der Schwellenländer eine Verbesserung gegenüber traditionellen Anbietern, sowohl für Konsumenten als auch für die Beschäftigten. Dagegen stehen die Menschen in den Industriestaaten solchen Diensten mehrheitlich kritisch gegenüber.

Optimismus-Lücke zwischen Industriestaaten und Schwellenländern

Ein wenig mehr Enthusiasmus würde den Industrienationen durchaus gut tun. Denn nur wenn wir die digitale Transformation entschlossen vorantreiben, werden wir als Gesellschaft, als Wirtschaftsstandort und als Individuum die Chancen der Digitalisierung wirklich nutzen können. In punkto Zuversicht können wir von Brasilien oder Indien noch viel lernen. Das gilt auch für unsere persönlichen Erwartungen. Auch hier zeigt sich wieder die Optimismus-Lücke. So streben in den Schwellenländern deutlich mehr Menschen eine Karriere im Hightech-Bereich an als in den Industriestaaten. Auffallend ist vor allem der große Unterschied bei den weiblichen Befragten: 77 Prozent der Frauen in den Schwellenländern, aber nur 46 Prozent der Frauen in den Industriestaaten fühlen sich zu einer Karriere im Hightech-Bereich ermutigt. Angesichts des heute schon herrschenden Fachkräftemangels in IT und Ingenieurswesen ein fast schon dramatisches Ergebnis. Gerade die alternden Gesellschaften der Industriestaaten können es sich nicht leisten, in Zukunft auf den Beitrag gut ausgebildeter Frauen am Arbeitsmarkt zu verzichten.

 

 

Ein Beitrag von Dr. Christian P. Illek
Vorsitzender der Geschäftsführung von Microsoft Deutschland und Area Vice President International


 

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* Für die Studie „Views from Around the Globe“ hat Microsoft im Dezember 2014 je tausend Einwohner in fünf Industriestaaten (Deutschland, Frankreich, Japan, Südkorea und den USA) und sieben Schwellenländern (Brasilien, China, Indien, Indonesien, Russland, Türkei und Südafrika) ausführlich befragt, wie Internet und IT Wirtschaft die Gesellschaft in Zukunft beeinflussen.

 

 

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