Happy Birthday, Office: Zwischen Disketten und Eistee



Passenderweise hat meine erste Erinnerung an den eigenen PC tatsächlich mit Microsoft Office zu tun. Es waren die frühen Neunziger Jahre und mein Vater brachte ein gräulich vergilbtes Ungetüm, welches sein Arbeitskollege nicht mehr brauchte, mit nach Hause. Aus heutiger Sicht frage ich mich, warum damals alles, was mit Computern zu tun hatte, eigentlich diesen grauen oder gelblichen Look hatte? Es sah immer so aus, als hätte man sich einen elektrischen Rentner ins Zimmer gestellt. Mir war es damals jedenfalls egal, denn das ratternde Ungetüm war mein erster eigener PC. Ein 386er mit Windows 3.11 – pure Magie!

Meine ersten Stunden an der Tastatur verbrachte ich komplett damit, ein Word Dokument mit Telefonnummern anzulegen. Ich schnappte mir das Notizbuch meiner Mutter, in der sie die Nummern diverser Bekannter und Verwandter gesammelt hatte und tippte alles ab. Ich kann mir aus heutiger Sicht nicht mehr erklären warum, aber ich war total fasziniert davon. Ich habe bis heute keinen Sinn für Ordnung und hasse Telefonieren, aber das Word-Dokument meiner digitalisierten Telefonliste war damals mein größter Stolz. Problem war nur, dass wir damals keinen Drucker hatten und mein Abtippen letztlich gar keinen Sinn machte. Ich hatte meine Lektion gelernt und verbrachte die darauffolgenden Wochen lieber mit MS Paint. Immer wieder das Gleiche: Erst wildes Kritzeln mit dem Stift und danach wurden die Zwischenräume mit dem Füllwerkzeug bunt eingefärbt. 20 Jahre später habe ich ein Buch geschrieben und ein abgeschlossenes Studium in Mediengestaltung. Die Grundsteine dafür dürften deutlich aus dieser Zeit stammen.

Auch mein Dasein als Blogger und Möchtegern-Journalist zeichnete sich damals schon ab. Gemeinsam mit einem Freund beschloss ich im Alter von etwa zwölf Jahren, dass wir unser eigenes Magazin machen sollten. Es sollte von PC-Spielen und allem rund um Computer handeln. Ach ja und eine Witze-Seite sollte es natürlich auch geben. Jedes gute Magazin braucht eine Witzeseite.

Ungelogen kamen wir nach einigem Überlegen auf den Namen „Micromagazin“. Das klang so schön nach Computern (und ich hoffe die Copyrightverletzung für den Namen ist mittlerweile verjährt). Wir sammelten Cheat Codes, tippten Artikel aus Videospielmagazinen ab, sammelten die besten Witze und versahen alles mit hervorragenden Cliparts. Das kleine schwarze Clipart-Männchen war damals einfach für ALLES gut! Mal kratzte er sich fragend den Kopf, mal hatte er eine Idee und manchmal freute er sich einfach nur darüber, ein Clipart-Männchen zu sein. Was wollte man mehr?

Unser „Micromagazin“ war nach einer Woche Arbeit eine Word-Datei mit etwa 20 Seiten. Wir gaben sie per Diskette der Mutter meines Kumpels mit an die Arbeit zum Ausdrucken und Kopieren. Eine Auflage von fünf Stück hatte das erste „Micromagazin“ und war für einen Preis von einer Mark bereits am ersten Tag komplett ausverkauft. Wir waren reich. Die zweite Ausgabe etwa einen Monat später lief sogar noch besser und hatte eine Auflage von zehn Exemplaren. Seitdem liegt das Projekt auf Eis, was wahrscheinlich auch der Hauptgrund für die immer geringer werdende Beliebtheit von Cliparts ist. Schade eigentlich.

Oh und auch wenn er zum Geburtstag von Microsoft Office sein Revival feiert, muss ich leider sagen, dass ich nie großer Fan von Karl Klammer war. Ich mochte „Links“ die Katze viel lieber. Die hat ab und zu nämlich geschnurrt, hat den Bildschirm abgeleckt und manchmal sogar Karteikarten geordnet oder Notizen mitgeschrieben. Was ich bis heute für eine Katze als wahnsinniges Leistungspensum erachte.

 

Ein Gastbeitrag von Markus Herrmann  
posted by Diana Heinrichs

#officeparty

25 Jahre: das entspricht einer Silberhochzeit, der Reifezeit eines sehr edlen Single-Malt-Whiskeys, zwei bis drei „Goldenen Generationen“ im Weltfußball, drei bis vier Bausparverträgen – und eben der Karriere eines der meistgenutzten Bürosoftwarepakete des Globus. Mit 25 Gastbeiträgen feiert Microsoft auf dem offiziellen Presseblog den großen Office-Geburtstag.

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Autoren-Information


Markus Herrmann wurde 1986 im beschaulichen dörflichen Nichts mitten im Thüringer Wald geboren. Zum Studium der Mediengestaltung zog es ihn für vier Jahre in das städtische Nichts namens Bielefeld. Seit dem Abschluss seines Studiums lebt er in Berlin und arbeitet vor allem als kreativer Konzepter in der Medienbranche. Seit 2005 schreibt er für verschiedene Blogs. Sein Twitteraccount wurde als »Bester Twitteraccount 2011« ausgezeichnet. 2013 erschien im DuMont Buchverlag sein Roman ›Aaarfz‹.

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