Happy Birthday, Office: Office und ich


Ich bin ein Mann in den "besten Jahren" (hoffentlich), aber was Office Produkte anbelangt, bin ich ein historisches Modell. Meine ersten Texte schrieb ich nicht einmal mit Microsoft Word for Windows – das ist, glaube ich, der offizielle (wenngleich recht sperrige) Produktname – sondern mit Word für DOS.

Ich habe eben so wenig Probleme, mich an die Tasten-Kombination ESC-D-O (Datei öffnen) zu erinnern wie an das aus seligen C64-Tagen neuronal fest verdrahtete LOAD „*“,8,1. Aber wenn die Zeiten des Heimcomputers vor allem Action und Spiel bedeuteten, war Word mit etwas viel schönerem verbunden: Dem Ausleben der eigenen Kreativität. Als jemand, der schon als Kind durch überbordende Fantasie (Spinner) und sprachliches Engagement (Quatschkopf) auffiel, verbinde ich Microsoft Office und speziell Word überhaupt nicht mit staubiger Büroarbeit. Vielleicht bin ich darum mit Jobs, die zu großen Teilen am Computer verrichtet werden, sehr zufrieden. Auch die übrigen Programme der heutigen Office Suite entfachen die schöpferische Kraft ihrer Benutzer, man darf das nicht unterschätzen: Wie erfinderisch werden viele Excel-Nutzer beim Verfassen des Geschäftsberichts? Ein großes Zahlenabenteuer, bis die gewünschten Werte endlich dastehen! Und mit den Ausreden, warum eine bestimmte Mail nicht versendet, empfangen oder an die richtige Stelle einsortiert worden sei, könnte man Bände füllen.

Aber selbstverständlich wurde das Schreiben für mich schöner, als endlich Word für Windows erschien. Hach, Wysiwyg!

Pause vom Arbeiten mit MS Office 95

Wenn man ehrlich ist, brachte das erste Word für Windows schon alles mit, was man zum Schreiben von Texten braucht. Viele Nutzer benötigen bis heute nichts anderes als das, was man damals konnte. Fett, kursiv, linksbündig, rechtsbündig… Ich bin sicher, irgendjemand bei Microsoft weiß, wie viele Nutzer nicht einmal eine Ahnung haben, was ein Tabulator ist oder wie man ihn einstellt.

Die Programme sind also seit 25 Jahren, na gut, sagen wir 20, gut genug für die meisten von uns. Was sich aber wirklich seit damals geändert hat und Gott sei Dank immer noch ändert, ist das Umgehen mit den Inhalten und Mitmenschen. Das Schreiben der Texte war auch früher schon komfortabel, ganz früher wenigstens erträglich. Aber die Weitergabe war mühsam. Schlecht ausgedruckt, das ging schon immer. Aber Publizieren im eigentlichen Sinne des Wortes? Drucker, Copyshop (natürlich schwarz-weiß), Tacker, Briefumschlag. Und Data-Sharing? Natürlich ging das. Wie viele Disketten wurden eigentlich in der Geschichte der Menschheit mit der Post verschickt?

Sicher, später konnte man seine Dateien dann auch mal per Email-Anhang verschicken. Aber wieso hat es eigentlich 25 Jahre gedauert, bis wir die kollaborativen Tools haben, die wir heute besitzen? Bis es möglich war, sinnvoll mit mehreren Nutzern in der Cloud zu arbeiten? Sicher, das Internet musste erfunden werden. Aber die Experten behaupten, vor allem die „Prozesse“ müssten sich ändern. Weil das klingt wie Kafka, möchte ich es lieber so formulieren: Das Verständnis von Arbeit muss sich ändern und die Art, seine Arbeit zu organisieren. Und vielleicht muss man seine Arbeit auch überhaupt erst einmal als „seine“ Arbeit begreifen. Manche nennen uns Wissensarbeiter. Ich weiß nicht, ob das zutrifft. Vielleicht eher Machensarbeiter. Menschen, die etwas herstellen oder verändern. Die aus ihrem Wissen etwas machen. Oder bei ihrem Machen etwas lernen. Menschen, die zwar „Office“ nutzen, das aber nicht in einem Büro tun. Oder das „Büro“ als etwas anderes sehen als den Ort, an dem die Akten stehen. Als Spielwiese, auf der Texte blühen, Präsentationen wachsen und das ein oder andere Zahlenwerk wuchert. Und die wissen, dass man sein Office am besten im Café aufbaut. Oder am Strand.

Happy Birthday, Microsoft Office!

 

Ein Gastbeitrag von Daniel Finger
Posted by Diana Heinrichs

#officeparty

25 Jahre: das entspricht einer Silberhochzeit, der Reifezeit eines sehr edlen Single-Malt-Whiskeys, zwei bis drei „Goldenen Generationen“ im Weltfußball, drei bis vier Bausparverträgen – und eben der Karriere eines der meistgenutzten Bürosoftwarepakete des Globus. Mit 25 Gastbeiträgen feiert Microsoft auf dem offiziellen Presseblog den großen Office-Geburtstag.

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Autoren-Information


Daniel Finger moderiert bei Radioeins vom rbb die Sendungen Escape, Toploader und Zwei auf EINS. Darüber hinaus moderiert er gemeinsam mit seiner polnischen Kollegin Ola Rosiak das deutsch-polnische Magazin Kowalski & Schmidt im rbb Fernsehen.

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