Gebt dem „Clash of Cultures“ eine Chance – Start-ups können etablierten Unternehmen beibringen, „digital zu denken“


Nie zuvor hatten Menschen einen so guten Zugang zu Wissen, Informationen und Technologien wie heute. Gleichzeitig ebnet die Digitalisierung den Boden für eine Vielzahl neuer Geschäftsmodelle – eigentlich phantastische Zeiten für Gründer! Dennoch liegt Deutschland beim Gründungsgeschehen im internationalen Vergleich weit zurück. Die Zahl der Unternehmensgründungen in der ITK-Branche sinkt seit Jahren. Das muss sich ändern. Denn Start-ups sind ein wichtiger Motor für die digitale Transformation.

 


Neben Geld brauchen Gründer vor allem Know-how und Kontakte. Deshalb engagiert sich Microsoft schon lange mit verschiedenen Programmen für Gründer. Auch andere Unternehmen gehen Partnerschaften mit Gründern ein – wie es übrigens auch der Beirat „Junge Digitale Wirtschaft“ im Bundeswirtschaftsministerium empfiehlt. Doch noch immer ist eine solche Zusammenarbeit die Ausnahme und nicht die Regel.

Dabei bieten Kooperationen beiden Seiten enorme Chancen. Mutige Gründer sind mit ihrer Offenheit und Experimentierfreude eine wertvolle Quelle der Inspiration für etablierte Unternehmen. Damit das Digitale Wirtschaftswunder Wirklichkeit wird, müssen Großunternehmen und Mittelständler verstehen, welche Möglichkeiten die digitale Veredelung von Produkten und Services bietet. Sie müssen neue Geschäftsmodelle in der Verbindung aus Produkten, Services und dem Internet der Dinge erkennen. Kurz: Sie müssen anfangen, „digital zu denken“. Genau dabei können ihnen Start-ups helfen. Denn junge Hightech-Gründer denken digital –  das ist in ihrer DNA.

Gemeinsam mit den Start-up-Magazinen The Hundert und Berlin Valley haben wir Gründer und etablierte Unternehmen danach gefragt, was sie sich von einer Zusammenarbeit mit etablierten versprechen – und warum es oft nicht dazu kommt. Dabei haben wir herausgefunden, dass in vielen Fällen Vorurteile und falsche Erwartungen Kooperationen verhindern. So begegnet jeder vierte Gründer dem Vorurteil, Start-ups seien chaotisch, unzuverlässig und überschätzten ihre eigene Leistungsfähigkeit. Umgekehrt herrscht auf Seiten der Gründer häufig die Vorstellung, etablierte Unternehmen seien schwerfällig, entscheidungsschwach und könnten sich als Tempo-Bremse erweisen.

Die Ergebnisse haben wir gestern in Rahmen unserer Lunch Talk-Reihe mit Vertretern aus Medien und Politik – und natürlich Start-ups und etablierten Unternehmen – diskutiert. Trotz aller Reibungspunkte gibt es gemeinsame Nenner – und Konsens darüber, wie eine Zusammenarbeit erfolgreich funktionieren kann. Etwa durch mehr Offenheit auf beiden Seiten. Dies betonte Gisbert Rühl, Vorstandsvorsitzender des Stahlhändlers Klöckner & Co. Er hat die konsequente Digitalisierung seines Unternehmens zur Chefsache gemacht.

Im vergangenen Jahr hat Gisbert Rühl seinen Arbeitsplatz sogar vorübergehend in das Berliner Betahaus verlegt, um sich von dort ansässigen Start-ups für den radikalen Umbau seines Unternehmens zum Online-Händler inspirieren zu lassen. In einer Design Thinking-Runde mussten viele Führungskräfte erst einmal lernen, neue Vorschläge offen aufzunehmen und sie nicht gleich mit dem Hinweis abzulehnen, dass sie sowieso nicht funktionieren. Auch die Bereitschaft zu lernen ist wichtig: Beide Seiten sollten nicht die Haltung einnehmen, sie wüssten schon alles über ihr Geschäft, sondern sollten neue Impulse aufnehmen. Robert Maier, Gründer und Vizepräsident des SPD-Wirtschaftsforums, mahnte außerdem: „Zerstört das kleine Pflänzchen Start-ups nicht.“ Dies gilt sowohl in Richtung Politik, als auch in Richtung Unternehmen: „Lasst uns unsere Idee verfolgen. Und versucht nicht uns zu regulieren.“

Diese Erfahrungen haben auch wir bei Microsoft gemacht: Beispielsweise bei der Zusammenarbeit mit dem Start-up Sensorberg, dessen Gründer Alexander Oelling ebenfalls auf dem Panel des Lunch Talk saß. Das von Microsoft geförderte Start-up entwickelt unter anderem Software zur Beacon-Fähigkeit von Apps, damit Einzelhändler Werbung direkt auf das Smartphone schicken können. Wir haben das Start-up zunächst im Rahmen unseres Berliner Accelerators unterstützt. Inzwischen haben wir in einem gemeinsamen Team die Erweiterung zur Beacon-Fähigkeit von Windows 10 gelöst und werden zusammen noch viele weitere Projekte beim Zukunftsthema Internet of Things realisieren.

 


Und es bleibt spannend und „disruptive“: vier Monate war Microsoft in der Gründerhauptstadt Berlin die Heimat der acht Start-ups IPlytics, Portadi, qDatum, QuantifiedCode, Skoove, Tandemploy, Tripdelta und WunderAgent. Gestern Abend präsentierten die ambitionierten Jungunternehmer vor nationalen wie internationalen Investoren und Business Angels ihre Geschäftsideen, die in Form von neuen Arbeitszeitmodellen, erleichtertem und dennoch sicherem Zugriff auf Daten, Lösungen, die das Schreiben von Anwendungen um ein Vielfaches verbessern und einigem mehr den digitalen Wandel vorwärts treiben werden.

 

 


Ein Beitrag von Peter Jaeger (@_PeterJaeger)
Senior Director Developer Experience and Evangelism DX & Mitglied der Geschäftsleitung Microsoft Deutschland

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