Führung 4.0: Was die deutsche Fußball-Nationalelf mit moderner Führung zu tun hat


Foto: Julian Rentzsch / #SketchTheMatch by Adobe

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„Wir haben flache Hierarchien.“ „Bei uns übernehmen möglichst viele Verantwortung.“ „Ich höre mir immer sehr genau an, was meine Mitarbeiter zu sagen haben.“ Diese Sätze stammen nicht etwa aus einem modernen Management-Lehrbuch für Führungskräfte, sondern von Joachim Löw, Trainer der deutschen Fußball-Nationalmannschaft. Sie waren seine Antwort auf die Frage von ewig gestrigen Kritikern, wo denn die echten Leitwölfe vom Schlage eines Michael Ballack oder Stefan Effenberg geblieben seien.

Als ich diese Sätze in der vergangenen Woche in einer deutschen Tageszeitung las, musste ich sofort an den Lunch Talk zum „Thema Arbeit 4.0“ denken, den wir kürzlich bei Microsoft Berlin veranstaltet haben. Gemeinsam mit Dr. Max Neufeind, Referent für zukunftsgerechte Gestaltung der Arbeitswelt beim Bundesministerium für Arbeit und Soziales und in der Funktion einer der Autoren des kommenden Weißbuchs von Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles, mit der Management-Beraterin Dr. Birte Gall und mit Marco Luschat, dem Inhaber der Hamburger Werbeagentur Ministry, habe ich über das Thema neue Führungskultur diskutiert.

Fakt ist: Die junge Generation hat andere Erwartungen an den Job, sie will verstehen, warum sie etwas im Unternehmen tut. Sie will mitbestimmen und mitmachen. Sie will ehrliches Feedback und klare Ziele. Das belegen auch die Ergebnisse einer aktuellen Befragung von mehr als 1.000 Arbeitskräften, die TNS Infratest im Auftrag von Microsoft Deutschland durchgeführt hat.

Viele Führungskräfte sind nicht auf die Anforderungen der digitalen Arbeitswelt vorbereitet

Die Mehrheit der Befragten hätte gern besseren Zugang zu Informationen (85%) und regelmäßigeres Feedback (84%). Sie möchte selbständiger Entscheidungen treffen (85%) und flexibler arbeiten (71%). Gleichzeitig wünschen sie sich mehr Unterstützung vom Chef (60%).

Heute müssen alle Organisationen – egal ob Unternehmen, Behörde, Ministerium oder Start-up –  ihre Strukturen und ihren Führungsstil überdenken. Dabei gibt es nicht den einen richtigen Weg, aber es gibt Leitplanken, die bei der Orientierung helfen: Agilere Teams und kürzere Entscheidungswege, eine Führungskultur, die die Zusammenarbeit stärkt, aber dennoch klare Ziele vorgibt, die Fehler toleriert und individuelle Stärken fördert. Mit Max Neufeind vom Bundesarbeitsministerium war ich mir einig, dass Manager heutzutage ein ganz neues Selbstverständnis von Führung entwickeln müssen – die digitale Arbeitswelt forciert diese Notwendigkeit noch.

Arbeiten 4.0. braucht moderne Führung.

Arbeiten 4.0. braucht moderne Führung. Von links nach rechts: Marco Luschnat, Inger Paus, Dr. Birte Gall, Dr. Max Neufeind, Markus Köhler

Dringende Probleme auf dem Platz lösen: auf die Lösungskompetenz der Mitarbeiter vertrauen

Interessant fand ich den Ansatz aus der Praxis, den der Unternehmer Marco Luschnat vorgestellt hat. Ich habe zwar meine Zweifel, ob man bei einem Konzern wie Microsoft keine Vorgaben bezüglich der Anzahl der Urlaubstage vornehmen oder alle Gehälter transparent machen sollte – um gleich mal die heißesten Themen des Gesprächs anzupacken. Aber: Die Idee, dass viele Entscheidungen besser aus den Teams heraus getroffen werden sollten, die sich konkret mit einer Problemlösung beschäftigen, halte ich für absolut richtig. Das propagiert auch die Management-Beraterin Dr. Birte Gall. Führungskräfte müssen der Lösungskompetenz ihrer Mitarbeiter vertrauen. Sie müssen mehr coachen denn kontrollieren, um Mitarbeiter in ihrer Entwicklung zu unterstützen.

Womit wir wieder beim Thema Fußball wären: Joachim Löw kann als CEO der deutschen Nationalmannschaft auch nicht jede einzelne Entscheidung auf dem Spielfeld treffen. Er muss vielmehr sein Team aus erfahrenen Führungskräften und Mannschaftskollegen dazu befähigen, in einem Spielsystem die richtigen Entscheidungen zu treffen. Und dazu gilt es Kroos, Khedira, Boateng, Hummels, Schweinsteiger, Neuer oder Müller schlicht und einfach zu vertrauen.

Ein Beitrag von Markus Köhler, Senior Director HR und Mitglied der Geschäftsleitung bei Microsoft Deutschland

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