Flexible Arbeitsmodelle für alle – auch für Väter!


Das Office der Zukunft lebt Gleichberechtigung vor - hinsichtlich der Karrierechancen für Mann und Frau und hinsichtlich des Zugangs zu flexiblen Arbeitsmodellen. Bis heute leistet sich allerdings die überwiegende Zahl der Unternehmen den Luxus, bei der Bindung und Rekrutierung von Fachkräften vorhandene Potenziale nicht zu nutzen. Spätestens dann aber, wenn der demografisch bedingte Fachkräftemangel und die neuen Forderungen der Generation Y voll durchschlagen, werden Firmen- und Personalchefs erkennen, dass ein Wandel der Arbeitskultur unumgänglich ist.

Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist heute nicht nur Kernthema vieler Frauen, sondern zunehmend auch junger Väter. Während es in den meisten Vereinbarkeitsdebatten um den Karriereanspruch von Frauen geht, wird die Perspektive der Väter aber noch nahezu vollständig ausgeblendet. Väterfeindliche Strukturen betreffen alle jungen Menschen mit Familienplänen, in diesem Fall aber vor allem Männer. Genauso wie Frauen der Aufstieg nach Familienzeiten in den meisten Fällen verwehrt bleibt, fürchten Väter den beruflichen Abstieg bei familiären Auszeiten.

Väter wollen aktiv am Familienleben teilhaben

Dabei hat sich besonders bei der jungen Vätergeneration ein neues Rollenverständnis eingestellt: Immer mehr von ihnen wollen aktiv am Familienleben teilhaben und sich um die Erziehung und die Betreuung ihrer Kinder kümmern. Karriere und Beruf sind auch für sie nicht mehr Sinnstifter Nummer Eins – immer häufiger sind das ihre Kinder. Doch in der Rush Hour den Familien Nachwuchs groß ziehen und zeitgleich beruflich durchstarten, verfestigt alte Rollenmuster: Papa bringt das Geld nach Hause. Nach einer Umfrage der Besser betreut und Väter gGmbH können sich vier von fünf Vätern vorstellen, in Teilzeit zu arbeiten. Frauen würden diesen Wunsch durch eine Aufstockung ihrer Arbeitszeit unterstützen.

Ohnehin setzt sich zunehmend ein partnerschaftlicher Ansatz bei doppelverdienenden Paaren durch: Karriereschritte werden ausdiskutiert, Väter und Mütter wollen beide sowohl beruflich erfolgreich sein als auch viel Zeit mit der Familie verbringen. Zusammen fordern sie daher flexible und mobile Arbeitsmodelle, ein nachhaltiges Workload- und Karrieremanagement mit Familienzeiten oder langfristig geltende Rückkehrregelungen in angestammte Positionen sowie die Sichtbarkeit von neuen Vorbildern.

Wir brauchen neue Arbeitsmodelle - und mehr Ergebniskultur

Um die Interessen von Arbeitgebern und Familien in Einklang zu bringen, bedarf es neuer Arbeitsmodelle in der Fläche, die über individuelle Absprachen hinausgehen. Dazu zählt vor allem die Abkehr von einer Präsenz- hin zu einer Ergebniskultur. Das Office der Zukunft ist nicht mehr an den Unternehmensstandort oder den Schreibtisch gebunden, sondern steht dort, wo die Mitarbeiter tätig sind – zuhause oder unterwegs. Teilzeitregelungen, die auch für Väter gelten, müssen für Unternehmen daher eine Selbstverständlichkeit werden.

Das setzt vor allem Führungskräfte voraus, die ein Verständnis für die Bedürfnisse junger Väter haben, bestenfalls selbst als Vorbilder für einen Ausgleich zwischen Beruf und Familie vorangehen und die Job- und Familienzeiten nicht als lästiges Übel ansehen. Wir brauchen mehr Unternehmen wie Bosch oder Commerzbank, die Karrierepunkte für die Inanspruchnahme von Familienzeiten vergeben.

Bei väter- und damit familienfreundlichen Regelungen geht es im Übrigen nicht um einen bloßen Altruismus der Arbeitgeber - denn sie selbst profitieren davon: Väterorientierte Personalstrategien wirken sich sehr positiv auf das Arbeitgeberimage aus. Aktive Väter erhalten durch Familienzeiten wertvolle Führungskompetenzen. Und nicht zuletzt, das zeigen Studien immer wieder, steigt bei flexiblen Arbeitsmodellen auch die Produktivität der Arbeitnehmer.

Familienfreundliche Modelle stehen stärker im Fokus

Die gute Nachricht ist: Immer mehr Unternehmen und Personalverantwortliche erkennen die Ansprüche von Vätern an und wissen um die Vorteile. Laut einer aktuellen Befragung des Bundesverbandes der Personalmanager unter mehr als 1.700 Personalern wollen rund zwei Drittel von ihnen mehr in flexible Arbeitsmodelle investieren. Vor allem Väter, die bei bisherigen Debatten um familienfreundliche Modelle eher unter „ferner liefen“ vertreten waren, stehen dabei nun stärker im Fokus.

Dem Wandel zu mehr Partnerschaftlichkeit in der Familie folgt nun endlich im Office der Zukunft die Öffnung der Unternehmen hin zum gleichberechtigten Zugang zu familienfreundlichen Angeboten. Ich begrüße das.

 

 

Ein Gastbeitrag von Volker Baisch
Geschäftsführer der Väter gGmbH

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Über den Autor


Volker Baisch ist Geschäftsführer der Väter gGmbH, einer gemeinnützigen Unternehmensberatung zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf speziell für Väter. Der Social Entrepreneur verfolgt das Ziel, Konzepte zur Veränderung der Unternehmenskultur zu entwickeln, von denen Frauen und Männer gleichermaßen profitieren. Für seinen innovativen Ansatz wurde er gerade mit dem Leuchtturmpreis der Stiftung Ravensburger Verlag ausgezeichnet. Volker Baisch ist Diplom-Sozialwirt und Fellow der Ashoka Foundation.

 

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