#findingproductivity: Stress, der uns glücklich macht.


Ein Dossier zu Produktivität in der digitalen Welt

Was verbinden Sie mit dem Begriff „Produktivität“?

Zunächst assoziieren wir mit ihm volks- und betriebswirtschaftliche Leistungsprinzipien, Effizienz und Profitorientierung. Das klassische Ergebnis aus Input und Output. Es scheint ein kalter, berechnender Begriff zu sein, der menschliches Tun hinter Kennzahlen marginalisiert. Es ist ein Begriff, den wir allzu oft mit Arbeitsstress, Fremdbestimmung und reiner Ergebnisorientierung verbinden. „The rate at which goods are produced or work is completed“ schreibt das Internetportal Merriam-Webster zu Produktivität.

Etymologisch stammt der Begriff vom spät-lateinischen „productivus“ ab und bedeutet „zur Verlängerung geeignet“. Im Französischen spricht man von „etwas hervorbringen“ sowie „Fruchtbarkeit und schöpferischer Betätigung“. Ein Blick in den Duden offenbart weitere - und weitaus überraschendere – Facetten des Begriffs. So steht Produktivität auch für Schaffenskraft oder Erfindergeist. Das Wort sei sogar ein Synonym für Kreativität, Einfallsreichtum und Genie.


Wenn Zeit die Konstante ist, ist Aufmerksamkeit unsere wichtigste Ressource!

Tatsächlich zeigt die Diskussion um Wissensarbeit im digitalen Zeitalter, wie weit sich der Begriff von seiner BWL-zentrierten Wahrnehmung entfernt hat und wieviel mehr er heute eigentlich bedeuten muss. Der Ökonom Peter F. Drucker erkannte bereits im vergangenen Jahrhundert: „An employee whose major contribution depends on employing his knowledge rather than his muscle power and coordination, frequently contrasted with production workers who employ muscle power and coordination to operate machines“. Das bedeutet: Das Problem ist nicht, dass die grundlegende Frage nach dem klassischen Ergebnis aus Input und Output ungültig ist - sondern sowohl die Art des Inputs, die Art des Outputs und die Art der Wertschöpfung sich grundlegend ändert. Zeit ist dabei die Konstante, und Aufmerksamkeit unsere wichtigste Ressource.


Wir brauchen ein neues Produktivitätsdenken!

Wenn große Unternehmen anfangen, Arbeitsmethoden von Startups zu übernehmen, wenn die Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit durch digitale Technologien zunehmend verschmelzen und wenn der Büroalltag sich zu individuellen dezentralen Arbeitsrhythmen entwickelt, müssen wir uns fragen:

  • Wie weit kommen wir noch mit der rein ergebnisorientierten Sicht auf Produktivität?

  • Ist die Formel über das Verhältnis von Output-Menge zu Input-Menge noch aussagekräftig?

  • Wo bleiben Faktoren wie Kreativität, Kollaboration, Kommunikation – drei maßgebliche Bedürfnisse moderner Wissensarbeit?

  • Welchen Einfluss haben Stress oder das höchste Gut unseres Lebens, die Zeit, auf unsere Produktivität?

  • Ist Produktivität vielleicht sogar Stress, der uns glücklich macht?

  • Was ist Ressource und was Treibstoff für den Wissensarbeiter – und wie können wir diese neu aufladen?

Um unsere gesellschaftlichen Ziele von partnerschaftlicher Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu schaffen, brauchen wir ein neues Produktivitätsdenken – sonst geht unsere volkswirtschaftliche Rechnung in Deutschland nicht auf.


Wir müssen Produktivität in der digitalen Welt verorten!

 Es ist an der Zeit, den Begriff Produktivität aus seiner engen, betriebswirtschaftlichen Bedeutungs-Schublade zu befreien, ihn neu zu definieren und in der digitalen Welt zu verorten.

Auf der Suche nach einer neuen Formel für Produktivität wollen wir unterschiedlichste Faktoren beleuchten, die Produktivität im digitalen Zeitalter ausmachen – nicht nur in wirtschaftlicher Hinsicht, sondern im gesamtgesellschaftlichen Kontext ebenso wie im ganz persönlichen Empfinden einzelner Menschen. Was sind unsere Variablen? Was unsere Konstante?


Wir starten die Suche – und laden zum Dialog ein!

#findingproductivity – wir starten die Suche nach der neuen Produktivitätsformel mit 16 Thesen, über die wir laut nachdenken. Mit Kollegen, Kunden, Wissensarbeitern und Wissenschaftlern, mit Arbeitern, Angestellten, unseren Partnern und Kunden, mit Freelancern und Ehrenamtlern, mit Familien, mit Kreativen und Handwerkern, Schülern und Studenten, kurz: mit Menschen, die produktiv sind, weil sie es wollen – oder müssen. Doch spielen Wille und Zwang überhaupt eine Rolle, wenn es immer heißt: Jeder Mensch ist produktiv.


 

 

 

 

Ein Beitrag von Dr. Thorsten Hübschen (@ThorHuebschen)
Verantwortlich für das Office-Geschäft bei Microsoft Deutschland

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#findingproductivity:
16 Thesen zur Produktivität moderner Wissensarbeit


Das VERSTÄNDNIS von Produktivität: Was Produktivität (für uns) bedeutet.

  1. Produktivität ist mehr als das Produkt aus Wille und Zeit.
  2. Produktivität ist subjektiv.
  3. Jeder Mensch ist produktiv.
  4. Produktivität ist kein Ergebnis – sondern der Weg dorthin.


Die gesellschaftliche RELEVANZ von Produktivität: Warum wir Produktivität brauchen.

  1. Produktivität treibt die Welt an.
  2. Produktivität ist der Motor für Innovation und lässt uns Neues entdecken.
  3. Produktivität ist das, was uns Sinn und Bedeutung in unserem Dasein gibt.
  4. Produktivität ist ein Grundrecht.


Der produktive PROZESS: Wie wir produktiv sein wollen.

  1. Produktivität ist nicht die Summe unserer geleisteten Arbeitsstunden, sondern die Summe unserer Jogging-Strecke x Kreativität x Kommunikation x Kreation.
  2. Produktivität ist nicht mehr Schaffen, sondern die uns zur Verfügung stehenden Bausteine so einzusetzen, dass wir mehr schaffen.
  3. Produktivität ist nicht, wie viele E-Mails wir am Tag verschicken, sondern wie viele E-Mails wir nicht verschicken.
  4. Produktivität ist, wenn die einzige Hürde in der Zusammenarbeit Zeitzonen sind.


Die AUSWIRKUNG von Produktivität: Was Produktivität mit mir macht.

  1. Produktivität ist das Gefühl, etwas zu bewegen und nicht ständig in Bewegung zu sein.
  2. Produktivität ist, wenn uns Arbeit high werden lässt vor Glück.
  3. Produktivität ist, wenn wir doppelte Arbeit schlimmer finden als blau machen.
  4. Produktivität lässt mich Faulheit genießen.

 

Comments (1)

  1. Anonymous sagt:

    Innovationen in gesättigten Märkten lassen sich laut der Blue Ocean Strategie von W. Chan Kim

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