#findingproductivity bei Testbirds: New Work – ferne Zukunft oder sind wir schon mitten drin?


Eine klare Definition von New Work gibt es (noch) nicht. Vielmehr ist New Work ein Umriss dessen, womit oft auch die Generation Y assoziiert wird: Eine neue Form der Arbeit, in der nicht das bloße Geldverdienen, sondern der tiefere Sinn der Tätigkeit im Fokus steht. In der Spaß am Schaffen zur Identifikation mit der zu verrichtenden Arbeit führt, und in der sich, zum Ziele der höheren Produktivität, das Arbeitsumfeld dem Arbeitenden anpasst und nicht umgekehrt. Es handelt sich also um eine Kombination aus Selbstverwirklichung, Kreativität und Flexibilität, welche in freundschaftlicher Zusammenarbeit innerhalb eines Teams gelebt wird. So weit – so utopisch, möchte man meinen.

In der Praxis gibt es jedoch schon erste Anzeichen eines Wandels, der die klassische Form von Arbeit ablöst. Sei es das Home-Office, welches sich als Begriff schon seit Längerem etabliert hat, die Zusammenarbeit durch Videokonferenzen mit Kollegen am anderen Ende der Welt oder Co-Working Spaces, in denen sich die sogenannten Büronomaden für eine bestimmte Zeit mit anderen Freiberuflern ihren Arbeitsplatz teilen. Eine weitere Neuheit ist hier auch Crowdworking: eine Form des Outsourcings von Aufgaben an die weltweite Internetgemeinde, die sich den neuen Anforderungen der Arbeitenden hinsichtlich der Arbeitsorganisation anpasst.

Testbirds ist so ein Crowdworking-Dienstleister, spezialisiert auf Crowdtesting und somit täglich mit der neuen Arbeitswelt konfrontiert. Crowdtesting ist ein Verfahren, das Software mit Hilfe der weltweiten Schwarmintelligenz auf seine Benutzerfreundlichkeit und Funktionalität testet. So werden Apps, Websites und andere Software idealerweise noch vor dem Release optimiert. Es gibt verschiedene Kanäle, auf denen sich Crowdworker und Arbeitgeber begegnen, sei es auf marktplatzähnlichen Plattformen oder über Crowdworking-Dienstleister, die die Koordination zwischen Endkunden und Crowd übernehmen. Bei uns melden sich die Tester im „Nest“ an und müssen einen Einstiegstest absolvieren, um zu realen Tests für Endkunden eingeladen zu werden. Ausgewählt wird nach Endgeräten und verschiedenen demographischen Merkmalen, die sich mit denen der Zielgruppe für die zu überprüfende Software decken. Für die Tester ist die Zeiteinteilung sehr flexibel – es gibt keine Mindestzahl an Tests, die jemand erfüllen muss, um Teil der Crowd zu bleiben. Alles, was ein potentieller Tester braucht, ist ein internetfähiges Endgerät und die Motivation etwas Neues auszuprobieren und dazu Feedback zu geben. Sagt der Tester zu, gibt es innerhalb von kurzer Zeit nähere Angaben zum Testobjekt und einen genauen Ablaufplan, meist ist der Test innerhalb weniger Tage abgeschlossen. Die Bezahlung ist projektbezogen und wird vorher an den Crowdworker kommuniziert.

Diese neue Flexibilität geht einher mit einem Verwischen der Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit – sowohl räumlich als auch zeitlich. Genau an diesen Punkten setzen die kritischen Stimmen an, denn sie sehen die neue Arbeit als eine Gefährdung des traditionellen Jobsystems. Durch die schwammige Unterteilung von Frei- und Arbeitszeit befürchten sie besonders im Bereich des Outsourcings einen unzureichenden Arbeitnehmerschutz. Der Crowdworker ist in Deutschland zumindest kategorisch einer Selbstständigkeit zuzuordnen, Probleme ergeben sich aber beispielsweise durch verschiedene Länderstandards der Arbeitsrichtlinien bei internationalen Auftraggebern. Wie aber sehen die Netzarbeiter selbst ihren Arbeitsalltag und welche Möglichkeiten bieten sich aus Arbeitgebersicht, um sich diesem Trend anzupassen?

Beschäftigt man sich näher mit dem Thema Crowdworking, kann man den Eindruck bekommen, dass es sich nicht um eine innovative Art von Arbeitsorganisation, sondern eher um einen Lifestyle handelt. Viele Crowdworker sind stolz auf ihre Freiheit, Aufträge aus der ganzen Welt anzunehmen und mit ihren eigenen Geräten von jedem beliebigen Ort aus zu arbeiten. Sie genießen die neugewonnene Flexibilität und die Vielfalt von Aufträgen, neuen Herausforderungen und ständig wechselnden Arbeitgebern. Es ist eine simple Möglichkeit, um neue Dinge auszuprobieren, nebenbei etwas Geld zu verdienen oder für einige Wenige ist Crowdworking sogar eine Haupteinnahmequelle. Genau dort liegen aber, wie für jeden Selbstständigen, die Knackpunkte – es gilt einen vertrauenswürdigen Auftraggeber zu finden, der sicher und fair zahlt und die Crowdworker nicht ausnutzt.

Eigeninitiative ist daher gefragt: Um eine faire Crowdarbeit zu fördern, hat sich Testbirds selbst einen Regelkatalog auferlegt und noch zwei weitere Crowdsourcing-Dienstleister zur Teilnahme motiviert. Dieser Code of Conduct legt wichtige Richtlinien fest, mit dem Ziel „ergänzend zur Gesetzgebung allgemein gültige Leitlinien für das eigene Handeln im Rahmen von bezahlter Crowdarbeit zu etablieren und so eine Basis für ein vertrauensvolles und faires Miteinander zwischen Dienstleister, Kunden und Crowdworker zu schaffen.“ Dabei setzen sich die Unternehmen unter anderem für motivierende und seriöse Arbeitsaufträge ein und stimmen zu, ihre Crowd über die aktuelle Gesetzeslage in Deutschland zu informieren. Auf dem noch unbefestigten Weg der New Work-Bewegung, die sich vielleicht nie komplett in Regeln einbetten lassen wird, ist ein solcher Verhaltenskodex ein erster großer Schritt.

Wirft man einen Blick auf unsere interne Arbeitsorganisation, sind für uns vor allem Innovation und Flexibilität sehr wichtig. Nicht nur unsere Crowd, sondern auch unsere Mitarbeiter sind flexibel – jeder hat die Möglichkeit, kurzfristig einen Tag von zu Hause aus zu arbeiten. Videokonferenzen sind an der Tagesordnung, um stets auf dem Laufenden zu bleiben, was unsere internationalen Kollegen in Amsterdam, London oder Budapest gerade beschäftigt. Bei uns liegen die Kernarbeitszeiten von 10 bis 17 Uhr, darüber hinaus kann der Mitarbeiter frei entscheiden, wie viel Zeit er in unserem Büro verbringt, obwohl die bereitgestellten Getränke und der Kickertisch dazu einladen, auch mal etwas länger zu bleiben. Ziel ist es, dass sich jeder Mitarbeiter bei uns wohlfühlt, daher versuchen wir durch flache Hierarchien die Zusammenarbeit der einzelnen Abteilungen zu erleichtern. Von Room-Rotation, wenn man sich mal ein anderes Büro ansehen möchte, bis hin zu regelmäßigen gemeinsamen Ausflügen arbeiten wir daran, dass die Birds zu einem starken Team zusammenwachsen und so eine ehrliche Kommunikationskultur entsteht. Grundsätzlich räumen wir unseren Mitarbeitern eine Vielzahl von Möglichkeiten ein, um die gewünschte positive und produktive Arbeitsatmosphäre zu realisieren – dafür braucht es Vertrauen und gegenseitigen Respekt. Eine Basis der Akzeptanz für neue Arbeitsformen zu schaffen und zu gewährleisten, dass diese nicht ausgenutzt werden, ist ein noch laufender Prozess, der viel Arbeit erfordert. Uns ist es außerdem wichtig, das Team selbst in die Entwicklung einzubeziehen. Die aktuellen Richtlinien hinsichtlich Arbeitszeiten und Home Office wurden beispielsweise vom Team selbst erarbeitet.

Ob Crowdworking oder erneuerte Arbeitsstrukturen: Insgesamt bietet die neue Arbeitswelt eine große Vielfalt an Chancen und einigen Risiken, die sich zum Teil erst zukünftig offenbaren werden. Am 26. November werden wir im Rahmen der Digital Future Conference 48forward im Panel #findingproductivity: Für ein neues Produktivitätsdenken im digitalen Zeitalter! zusammen mit Microsoft und anderen Unternehmen darüber sprechen, wie eine mögliche Zukunft oder bereits die Gegenwart der digitalen Arbeit aussehen könnte und bereits aussieht. Unter dem Motto #findingproductivity wird diskutiert, wie Produktivität im digitalen Zeitalter definiert und gefördert werden kann und was Unternehmen dazu beitragen, um New Work zu einer Win-Win-Situation für alle Beteiligten zu machen.

 

 

Über Philipp Benkler:  

Philipp Benkler ist Gründer und Geschäftsführer des Crowdtesting-Spezialisten Testbirds. Er ist verantwortlich für den Vertrieb und die Internationalisierung des Unternehmens. Benkler verfügt über langjährige Erfahrung im Enterprise Umfeld sowie als selbstständiger Entwickler. Er hat den Elitestudiengang „Finanz- und Informationsmanagement“ an der Universität Augsburg und der TU München absolviert.

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