#findingproductivity bei Kontextlab: Kreativ, individuell und eigenverantwortlich


Wie jedes junge Startup beschäftigten wir uns von Anfang an mit der Optimierung unserer Arbeitsweise und unserer Prozesse.

Unser Team von Kontextlab ist interdisziplinär. Redaktion, Software und Design. Zusammen haben wir ein neues Konzept für ein interaktives, monothematisches Hintergrundmagazin entwickelt. Im ständigen Mediendauerfeuer mit immer neueren Aktualisierungen zu den großen Themen unserer Zeit, ist es für Nutzer schwieriger geworden die Übersicht zu behalten, Hintergründe zu erkennen und Zusammenhänge zu verstehen. Unser Hintergrundmagazin "Der Kontext“ (www.derkontext.com) will künftig aktuelle komplexe Themen – Themen wie TTIP, Krieg in Syrien oder Griechenlands Schuldenkrise – multiperspektivisch aufbereiten. Um mehr Orientierung innerhalb dieser Themen zu schaffen, haben wir für unser Magazin eine eigene Plattform entwickelt. Eine Art Navigationstool für komplexe Themen. Darin werden die Zusammenhänge des Themenkomplexes in einem Netzdiagramm visuell dargestellt und der Leser kann dieses durch Zoomen und Verschieben wie ein online Navigationstool bedienen. Je tiefer er taucht, desto mehr Informationen erhält er.

Unsere Arbeit ist zu einem sehr hohen Grad kreative Arbeit. In allen unseren notwendigen Disziplinen (Design, Redaktion, Software). Wir haben in unserem Prozess gelernt, dass wir insbesondere durch interdisziplinäres Arbeiten auf Augenhöhe sehr produktiv sind. Das bedarf aber auch einiger Umstände, die gepflegt werden wollen.

Denn Produktivität ist nicht gleich Produktivität. Der kreative Schaffensprozess muss völlig anders bewertet werden als das Abarbeiten von wiederkehrenden Aufgaben. Als Designerin kenne ich beide Seiten sehr gut – und insbesondere für den kreativen Prozess der Ideenfindung gibt es keine auf den ersten Blick messbaren Erfolgsfaktoren. Oft sind erst zahlreiche Versuche notwendig, die evaluiert werden, um dann bei einem Sonntagsspaziergang den entscheidenden Einfall zu haben. Gleiches gilt auch für meine Arbeit als Gründerin. Natürlich nutzen wir die bekannten Hilfsmittel von BMC, Design Thinking über De Bonos Hüte bis hin zu Lean Startup. Doch ob ich damit auch auf den zündenden Einfall komme, das wirklich passende Puzzleteil eines Designs finde oder den fehlenden Product Market Fit herausbekomme, kann mir keines der Tools garantieren. Hier sind Erfahrung, Wissen und die geistige Freiheit sich auf etwas voll und ganz einzulassen, wichtiger. Alle Werkzeuge und Methoden können eine großartige Unterstützung sein – bei manchen Arbeiten sind sie jedoch gar nicht notwendig.

So gibt auf der anderen Seite auch Dinge, die müssen einfach gemacht werden und zwar Stück für Stück nach vorgegebenen Mustern. Zack, Zack, eins nach dem anderen. In der täglichen Buchhaltung z.B. ist wenig Spielraum für Freiheit und kreative Buchhaltung hat zurecht einen fadenscheinigen Ruf. Solche Prozesse verlangen nach Arbeitslösungen die in Stunden, Minuten und somit auch monetären Einheiten unmittelbar gemessen werden können.

Für beide Arten der Produktivität ist es wichtig, dass sie in einem passenden Umfeld möglich sind. Remote zu arbeiten ist daher bei uns eine Selbstverständlichkeit, allein schon, um den besten Arbeitskräfte die Möglichkeit zu geben, an unserem Projekt mitzuarbeiten. Auch Tools, die das gemeinsame Arbeiten und die Kommunikation verbessern oder den Einzelnen in seiner persönlichen Arbeitsweise unterstützen, testen wir laufend und übernehmen die, die bei uns gut funktionieren. Alles im Hinblick darauf, dass der Arbeitsprozess fließen kann, bei allen eine hohe Zufriedenheit herrscht und letztendlich das Ergebnis der Arbeit passt.

Produktivität, wie ich sie als Designerin und Gründerin verstehe und wie wir sie in unserem Unternehmen forcieren, lässt sich wie folgt zusammenfassen:

Produktivität ist schöpferische Kraft

Für mein Verständnis ist das Schaffen und Machen, also das Entwickeln von Neuem, das Ausprobieren und Evaluieren in hohem Maße mit Produktivität gleichzusetzen. Wenn ich schaffe, bin ich produktiv. Dabei ist das Ergebnis das Ziel und der Weg dorthin wichtiger Faktor. Dieser Weg bedeutet explorieren und ausloten, Wege einschlagen, verwerfen und neu ausrichten. Es bedeutet nicht lange zu zögern, sondern Entscheidungen zu treffen, umzusetzen, und daraus zu lernen und während dessen besser zu werden. Dieser Weg versetzt mich in einen Arbeitsflow, der nicht nur zufrieden macht, sondern durch den hohen Schaffensgrad auch sehr produktiv ist. 

Produktivität messen?

Meiner Erfahrung nach ist es nicht leicht Produktivität zu messen. Welche Parameter setze ich fest, wo doch Produktivität so viele Facetten hat? Wir unterscheiden zwischen ausführender und kreativer Arbeit. Tätigkeiten die nach vorgegebenen Prozessen durchführbar sind, lassen sich leicht kalkulieren. Die Optimierungen, die man hier einsetzen kann, zielen rein auf Effizienz ab. Kreative Prozesse, wie wir sie in allen Arbeitsbereichen haben, sind dagegen sehr individuell. Natürlich kann man aufgrund von Erfahrung seine Schaffenskraft und seine Effektivität im Kreativprozess nach und nach einschätzen. Dies setzt voraus, dass ich meine Parameter kenne und weiß, in welchen Situationen ich welche Rahmenbedingungen brauche, um möglichst schnell mein Ziel zu erreichen. Die Grenzen zwischen beiden Bereichen sind oft nicht scharf und gehen häufig ineinander über.

Produktivität ist individuell

Jeder Mensch ist produktiv – jeder auf seine Weise. Um kreativ und produktiv arbeiten zu können, wird ein eher introvertierter Mensch ein anderes Umfeld benötigen als ein tendenziell extrovertierter. Für die einen ist es wichtig einen Arbeitsplatz zu haben, an dem man zu festen Zeiten seinen Platz hat, für andere ist es eher wichtig die Arbeit im eigenen Umfeld, vielleicht auch in wechselnden Umfeldern, zu integrieren. Auch unterschiedliche Aufgabenbereiche und Zielsetzungen bedingen unterschiedliche Rahmenbedingungen. Für das Entwickeln eines neuen Codeschnippsels wird wohl eher ein ruhiges Umfeld bevorzugt und für ein neues Ausrichtungskonzept, in dem als Team der Dialog wichtig wird, eher genau das Gegenteil.

Produktivität fördern

Motivation, Vertrauen und Eigenverantwortung sind unserer Erfahrung nach wichtige Faktoren für produktives Arbeiten. In einem Umfeld, in dem ich mich wohl fühle, traue ich mich eher zu machen ohne viel zu überlegen und ohne Angst vor Fehlern. Die Gestaltung des Büros ist damit eher im zweiten Schritt gemeint (wobei natürlich Kicker und Co. einen willkommenen Perspektivwechsel ermöglichen). Zuerst sehe ich hier die Kommunikation, das Miteinander, der Umgang auf Augenhöhe und das selbstbestimmte, eigenverantwortliche Arbeiten als wichtige Faktoren. Der permanente und offene Austausch steht hierzu bei uns an oberster Stelle – sowohl bei remoter Arbeit als auch im Büro. In einem Umfeld in dem ich mich wohl fühle, arbeite ich gerne, bin ich motiviert, inspiriert und bringe mich ein. Dort kann ich produktiv sein.

Produktiv sein macht glücklich

Ich glaube die meisten kennen das tolle Gefühl, wenn man viel erledigt hat, wenn man etwas geschaffen hat, wenn man einen Schritt weiter gekommen ist, wenn die Lösung zu einem Problem gefunden ist. Oder die Zufriedenheit, wenn man sich in einer Tätigkeit so verliert, dass man die Zeit vergisst. Gemeint ist der geistige Zustand des Flow. Wenn Aufgabe, eigenes Können und die äußeren Umstände eine möglichst ideale Kombination eingehen. Plötzlich „flutscht“ es geradezu und für den Einzelnen ist alles, außer der Konzentration auf die Aufgabe, nebensächlich. In diesen Phasen schafft man die größten Fortschritte, die besten Resultate, fühlt sich frei, motiviert, akzeptiert und freut sich über das Ergebnis.

Wenn man Produktivität als Teil des Kreativprozesses begreift und nicht als reine Effizienzmaschinerie, macht produktiv sein glücklich.

Julia Köberlein ist Gründerin und Kreativdirektorin von Kontextlab, einem Unternehmen, das in der Vermittlung von komplexen Informationen spezialisiert ist. Sie ist verantwortlich für alle kreativen Prozesse im Unternehmen, von Konzeption und Design bis zur Prozessgestaltung im interdisziplinären Team. Sie studierte Kommunikationsdesign in Augsburg und Editorial-Design in Zürich und wurde für ihre Arbeiten ausgezeichnet. 

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