Faktor Mitarbeiter: "Warum soll ich mich anstrengen, wenn es keiner anerkennt?"


In der digitalen Arbeitswelt bleiben die emotionalen Bedürfnisse der Mitarbeiter gleich – es wird allerdings komplizierter, sie zu erfüllen. 

 

Es gibt keinen Zweifel: mit der Digitalisierung verändert sich die Arbeitswelt rasant. Am Montag habe ich auf der CeBIT 2016 mit Markus Köhler von Microsoft, Udo-Ernst Haner vom Fraunhofer IAO und Marius Strassberger von s.Oliver darüber diskutiert, wie sich Unternehmen aufstellen müssen, um mit dem Tempo des technologischen Wandels Schritt zu halten. Gestern haben wir in Berlin den neuen Engagement Index vorgestellt, für den Gallup seit 2001 jährlich Tausende von Arbeitnehmern auf der ganzen Welt befragt. Mein Fazit aus beiden Veranstaltungen lautet: Gute Führung ist heute wichtiger denn je.

 

Doch in der Praxis scheint es um das Thema gute Führung schlecht bestellt. So sind laut aktuellem Engagement Index nur 16 Prozent der deutschen Arbeitnehmer emotional an ihren Arbeitgeber gebunden und engagieren sich freiwillig für dessen Ziele. Gut zwei Drittel (68 Prozent) machen Dienst nach Vorschrift und spulen lediglich das Pflichtprogramm ab. Und weitere 16 Prozent haben bereits innerlich gekündigt. Die Ursachen gehen in den allermeisten Fällen auf Defizite in der Personalführung zurück: Aus motivierten Leuten werden Verweigerer, wenn ihre emotionalen Bedürfnisse bei der Arbeit über einen längeren Zeitraum ignoriert werden: Man fragt sie nicht nach ihrer Meinung, gibt ihnen kein Feedback oder interessiert sich nicht für sie als Mensch.

Gallup_EEI_2015

 

Diese menschlichen Grundbedürfnisse nach Interesse, Anerkennung, Respekt und Feedback ändern sich auch in einer weitgehend digitalisierten Arbeitswelt nicht – doch es wird vielleicht noch schwieriger, sie zu erfüllen: Weil der Zeitdruck weiter steigt, weil sich Organisationen und Strukturen radikal verändern, weil Teams flexibel und oft nur noch virtuell zusammenarbeiten und weil Mitarbeiter mobiler werden – also auch entsprechend weniger Zeit im Büro verbringen.

 

Dadurch haben wir noch weniger Gelegenheit zur direkten Ansprache, zur spontanen Kommunikation und zum informellen Austausch. Die digitalisierte Arbeitswelt benötigt dringend klare Regeln für die Kommunikation und ein bewusstes Performance Management. Doch gerade daran hapert es heute in den meisten Unternehmen. Der Engagement Index belegt: Häufig fehlen Mitarbeitern objektive Kriterien, um die eigene Leistung richtig einzuschätzen, dazu kommen ein Mangel an Transparenz und Defizite in der Kommunikation. So meinen aktuell zwar 87 Prozent der Arbeitnehmer, es sei in Deutschland möglich, durch Leistung etwas zu erreichen – aber nur jeder Dritte glaubt, dass in seinem Unternehmen besonders leistungsstarke Mitarbeiter auch schneller vorankommen. Im Klartext heißt das: „Warum soll ich mich anstrengen, wenn es doch keiner merkt?“

Für Arbeitgeber kann diese Haltung fatale Folgen haben. Denn in der komplexen digitalen Wirtschaftswelt sind die Motivation und die Einsatzbereitschaft hoch qualifizierter Wissensarbeiter die alles entscheidenden Erfolgsfaktoren.

 

Ein Beitrag von Pa Sinyan

Country Manager bei Gallup Deutschland

Pa M. K. Sinyan, Gallup


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