Fabian Sixtus Körner: Mein #OutofOffice sind all unsere Kontinente


Wie werden wir in Zukunft arbeiten? Die Frage des Arbeitsplatzes ist in dieser Vision für mich zweitrangig. Im Grunde ist es doch eine überholte Diskussion. Die Tatsache, dass den meisten Menschen aus der digitalen Arbeitswelt weiterhin eine Art Büropflicht vorgeschrieben wird, liegt wohl nur daran, „dass wir das immer schon so gemacht haben“. Es würde keine große Revolution bedeuten, hätte sich endlich die Mehrzahl der Wissensarbeiter und bald darauf alle Arbeitgeber dafür entschieden, ihren Mitarbeitern die Wahl zu lassen, ob sie denn nun im Büro, zu Hause, in einem Café oder im Park die Arbeit ableisten möchten. Dass diese Szenarios längst den Status der Normalität verdient hätten, ist die logische Konsequenz aus den Möglichkeiten, die ein digital vernetztes Arbeiten mit sich bringt. An der Qualität der geleisteten Arbeit wird der Arbeitsplatz jedoch nur sehr wenig ändern.



Meine Arbeitsorte? Unter freiem Himmel, auf der Couch oder in der Küche

Auf meiner zweieinhalb jährigen Reise durch alle besiedelten Kontinente der Erde habe ich allerlei Arbeitssituationen durchleben können. Als internationaler Botschafter der Kuala Lumpur Design Week saß ich barfuß im klimatisierten Büro in Malaysia, als Fotoassistent auf einer Couch in San Francisco –  auf der ich nachts übrigens auch schlief –  oder als Video-Cutter in der umtriebigen Küche eines Hostels in Kolumbien. Als ich schwitzend und von Moskitos zerstochen in einem aus Supermarktregalen zusammengeschusterten Gebäude in Indien an meinem Laptop arbeitete und wegen mangelnder Erdung ein permanentes Kribbeln in den Fingerspitzen spürte, hätte ich mir unter Normalbedingungen wahrscheinlich diese Frage gestellt: „Warum tue ich mir das an?“

Normalbedingung ist, dass ich einen Job mache –  sei es als Angestellter oder Freiberufler –  für den ich mit Geld entlohnt werde. Allerdings war die oberste Regel meiner Designwalz, dass ich ausschließlich Entlohnung durch Kost und Logis annehme. Und diese Regel ändert(e) alles.

In Deutschland wäre das undenkbar gewesen

Nach links oder rechts schauen, experimentieren, zur Not den Schritt zurück wagen und wieder von vorne beginnen. Während meiner bezahlten Aufträge in Deutschland wäre das undenkbar gewesen. Das versprochene Honorar bildete gleichzeitig auch eine Mauer entlang des Weges, den ich für gewöhnlich von Anfang bis Ende eines Projekts ging. Aber die Tatsache, dass ich als Design-Wandergeselle ausschließlich mit der Deckung meiner Grundbedürfnisse entlohnt wurde, machte mich frei von der Idee eines festgelegten Ergebnisses und eines festgelegten Arbeitsplatzes.


Nicht einfach nur Dienst zu tun, sondern sich mit einem Projekt vollends zu identifizieren und, wenn nötig, es zu verteidigen. Im Grunde genau das, was sich jeder Arbeitgeber von seinen Mitarbeitern wünscht. Das Ergebnis ist nicht weniger verblüffend: Nahezu alle meine Arbeiten, die während dieser Reise entstanden, sind in ihrer Qualität den mit Geld bezahlten Produkten überlegen. Eine Erkenntnis mit weitreichenden Folgen. Ein Zurück zu dem was vor meiner Reise war, ist nicht mehr möglich.

Gute Arbeit hängt vom Raum ab, den wir uns selbst geben

„Warum tue ich mir das an?“, ist eine Frage, die ich mir während meiner Designwalz nicht stellen musste. Das ausschlaggebende Kriterium für die Qualität von Arbeit ist nicht bloß der Raum, der uns umgibt, sondern der Raum, den wir uns selbst geben. Die freie Wahl des Arbeitsplatzes kann darin nur ein Baustein sein. Wenn ich mich selbständig für etwas entschieden habe, sind die negativen Auswirkungen leicht wegzustecken, denn nur ich trage dafür die Verantwortung. Das Positive, die vielen Momente in denen man imaginär die Faust reckt und innerlich „Ja, genau so machen wir’s!“ ausruft, ist das, was sich im Endergebnis widerspiegelt.


Mit dem Manifest für ein neues Arbeiten hat Microsoft einen Anstoß geliefert, diese Debatte zu führen und sie vor allem präsent zu halten. Als Teil einer Podiumsdiskussion war es daher eine spannende Aufgabe während der re:publica 2015 mit u.a. Dr. Thorsten Hübschen von Microsoft oder dem Policy Fellow Dr. Max Neufeind über die Zukunft unserer Arbeit zu diskutieren.

Eine Zusammenfassung der wichtigsten Diskussionspunkte gibt es hier:

[View:https://youtu.be/UUrO0ic17Zw:0:0]

Microsoft auf der re:publica

 

 

 

 

Ein Gastbeitrag von Fabian Sixtus Körner (@fabsnonfire)
Journeyman und Buchautor

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Über den Autor


Dipl. Ing. (FH) Fabian Sixtus Körner, geboren 1981 in Köln und aufgewachsen im hessischen Taunus, ist Designer, Fotograf, Filmemacher, Autor – ein multidisziplinärer Kreativ-Enthusiast, der nicht gerne innerhalb einer Profession verweilt. Nach der Fachoberschule für Textiltechnik und Bekleidung besuchte er die Hochschule RheinMain für ein fünfjähriges Studium der Innenarchitektur, bildete sich jedoch zeitgleich in Kommunikationsdesign und Fotografie fort. Durch seine Reisen stieß er außerdem auf das Medium Film. 2012 wurde er für seinem Kurzfilm „The Bollywood Movie Star“ mit dem Deutschen Webvideopreis ausgezeichnet. Weitreichende Bekanntheit erreichte er durch sein Projekt „Stories of a Journeyman“. Dabei reiste er in der Tradition der Wandergesellen für mehr als zwei Jahre um die Welt und bot seine Arbeitskraft als Gestalter gegen Kost und Logis an. Das daraus resultierende Buch „Journeyman – 1 Mann, 5 Kontinente und jede Menge Jobs“ stand lange Zeit auf den Spitzenrängen der Spiegel Bestsellerliste. Derzeit arbeitet er in Berlin und Santo Domingo an weiteren Reiseprojekten.

 

 

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