#DigitalesWirtschaftswunder: Wie sich Unternehmen und Institutionen neu erfinden können


Mitte Februar hat die Expertenkommission Forschung und Innovation (EFI) der Kanzlerin ihr jährliches Gutachten überreicht. Bei dem Termin mit Angela Merkel fand der Kommissionsvorsitzende Dietmar Harhoff deutliche Worte. Deutsche Unternehmen seien in ihren Digitalisierungsaktivitäten im internationalen Vergleich allenfalls Mittelmaß, der Mittelstand hinke in punkto digitale Innovation weit hinterher, und auch die eGovernment-Vorhaben deutscher Behörden kämen nicht recht voran.

Für mich gibt es keinen Zweifel, dass sich Unternehmen und Institutionen neu erfinden müssen, wenn sie die Chancen der Digitalisierung nutzen wollen. Im vergangenen Jahr hat Microsoft das Memorandum für ein Digitales Wirtschaftswunder vorgelegt. In der Folge wurden die Rahmenbedingungen der digitalen Transformation in Deutschland auf vielen Ebenen diskutiert. Nun ist es Zeit zum Handeln. Auf der CeBIT 2016 werden wir zeigen, wie Organisationen die notwendige Transformation konkret angehen können. Dafür haben wir sieben Faktoren definiert, die den Wandel beschleunigen und in ihrer Gesamtheit ein Digitales Wirtschaftswunder in Deutschland möglich machen.

Wie schaffen wir lebendige Organisationen ohne starre Hierarchien?

Technologische Disruption und die Volatilität global verzahnter Märkte machen langfristige Planungen obsolet. Um Entscheidungen zu beschleunigen, Innovationen schneller auf den Markt zu bringen und mit dem voll vernetzten Kunden Schritt zu halten, müssen Unternehmen beweglicher und anpassungsfähiger werden. Laut „Forum Gute Führung“ sind selbst organisierende Netzwerke ohne hierarchisch steuerndes Management das favorisierte Zukunftsmodell. Der notwendige Umbau impliziert zwei Großbaustellen: erstens kulturellen Wandel, also das Etablieren einer neuen Führungskultur. Zweitens technologischen Wandel, also die Einführung von Technologien, die eine Netzwerk-Organisation erst funktionsfähig machen. Vor allem, wenn es darum geht, Teams und Mitarbeiter so zu vernetzen, dass sie produktiv zusammenarbeiten können.

7 Faktoren für den Wandel

7 Faktoren für den Wandel


Wie werden Teams autonomer und flexibler?

Komplexität und Geschwindigkeit der digitalen Welt können nur in flexiblen und autonomen  Teamkonstellationen bewältigt werden. Tatsächlich sehen 70 Prozent der Entscheider eine steigende Relevanz von Teams für den langfristigen Geschäftserfolg ihres Unternehmens.

Teams verbinden schon heute die Arbeitswelt: Pro Woche verbringen wir mehr als 35 Prozent unserer Arbeitszeit in teamübergreifenden Projekten und nehmen rund 21 Stunden an Meetings teil. In diesem Jahr eröffnen wir unsere Unternehmenszentrale in Schwabing – und schaffen ideale Bedingungen für zeitgemäße Formen der Zusammenarbeit. 

Wie können Mitarbeiter ihre persönlichen Stärken optimal einbringen?

In der digitalen Wirtschaftswelt sind vernetztes Denken, Kreativität und Selbstmanagement entscheidend für die Innovationskraft von Unternehmen. Doch der neue Typus des hoch qualifizierten Wissensarbeiters braucht Freiräume und Flexibilität. Laut Zukunftsinstitut sind für 89 Prozent der „Generation Y“ die Werte Unabhängigkeit und Selbstbestimmung besonders wichtig. Manager müssen in Zukunft mehr coachen als kontrollieren, Führungs-Persönlichkeit wird wichtiger als Expertentum. Organisationen müssen Mitarbeiter auch emotional an sich binden. Laut Gallup Engagement Index bringen Mitarbeiter mit einer hohen emotionalen Bindung 45 Prozent mehr eigene Ideen ein. Für mehr Engagement brauchen wir mehr Wertschätzung für den Einzelnen und eine neue Vertrauenskultur, viel Fehlertoleranz und Führungskräfte, die „Out-of-the-box“ Denken unterstützen.

Wie machen wir Wissen transparent und verfügbar?

In der digitalen Wirtschaft wird Wissen zum wichtigsten Produktionsfaktor. Das bedeutet:  Silodenken und Herrschaftswissen haben ausgedient. Wir müssen neue Formen der Vernetzung organisatorisch und technologisch fördern; Mitarbeiter, Kunden, Lieferanten und externe Experten als wertvolle Know-how-Träger betrachten und in Innovationsprozesse einbeziehen; ein stringentes Wissensmanagement aufbauen und die Möglichkeiten von Big Data konsequent nutzen. Das Internet der Dinge wird uns ganz neue Wissensquellen erschließen. Laut einer Studie von Forrester und Microsoft glauben mehr als 80 Prozent der europäischen Führungskräfte, dass IoT-Technologien wertvolle Einblicke in das Kundenverhalten liefern werden – die sollten wir konsequent anzapfen!  

Wie wird unsere Infrastruktur  sicherer und agiler?

IT-Abteilungen stehen unter doppeltem Druck: bei der Digitalisierung müssen sie „liefern“, gleichzeitig wandert immer mehr IT-Kompetenz in Fachabteilungen. Sie müssen zu allererst ihren eigenen Bereich im Sinne einer Two-Speed-IT-Logik umstrukturieren: Hier das solide und sichere Fundament, das klassischerweise von IT-Pros und Administratoren aufgesetzt und gewartet wird. Dort die schnelle, kreative Eingreiftruppe aus Entwicklern und Datenanalysten, die Apps programmieren, Datenintelligenz nutzbar machen und Geschäftsprozesse gestalten. Fakt ist: Ohne Cloud Services geht ab sofort nichts mehr. Laut IDC-Prognosen wird bis 2018 mindestens die Hälfte der IT-Ausgaben in cloudbasierte Lösungen fließen. Auch beim Thema Sicherheit geht der Trend hin zu „Security as a Service“. Firmeneigene IT-Infrastrukturen können kaum mehr dieselbe Sicherheit gegen Datenmissbrauch und Datenverlust leisten wie die Cloud. In diesem Jahr startet Microsoft mit einem neuen Cloud-Angebot (Microsoft Cloud Deutschland), das speziell auf die Bedürfnisse deutscher Kunden zugeschnitten ist, um das Vertrauen in neue Technologien zu stärken.

„Intelligente Laternen“ von EnBW auf Basis der Microsoft Cloud-Plattform Azure

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Was bringt uns eine smarte und vernetzte Produktion?

Laut einer aktuellen Studie von PAC zur Digitalen Transformation erwarten fast 70 Prozent der befragten Manager sehr starke bis deutliche Veränderungen in ihrem Unternehmen. Eine fundamentale Frage lautet: Wie müssen Unternehmen ihre Geschäftsmodelle verändern? Das Jahresgutachten der EFI weist darauf hin, dass Deutschland zu sehr auf die industrielle Produktion fokussiert ist. Die großen Veränderungen spielen sich jedoch in smarten Servicewelten und digital veredelten Produkten ab. Doch in Sachen Digitalisierung ist der deutsche Mittelstand fast schon schizophren veranlagt. Die meisten erkennen die immensen Chancen, doch nur die wenigsten nutzen sie konsequent. Laut Studie von Commerzbank und TNS Infratest glauben zwar 86 Prozent der Führungskräfte im Mittelstand fest an die Chancen der Digitalisierung. Andererseits setzen bisher nur 15 Prozent auf digitale Technologien wie Social Media, Big Data oder Cloud Computing – das muss sich ganz schnell ändern. 

Wie wird der Staat beweglicher und bleibt doch souverän?

Ein Digitales Wirtschaftswunder ist nur möglich, wenn sich die Unternehmen und Bürger auf effiziente und sichere Strukturen in der öffentlichen Verwaltung stützen können. Die aktuelle Flüchtlingskrise zeigt, dass die Leistungsfähigkeit der Verwaltung begrenzt ist. Insbesondere die öffentliche IT-Infrastruktur ist überfordert. Viele Daten werden doppelt erhoben, ein Informationsaustausch findet häufig nicht statt. Die Digitalisierung ist für den öffentlichen Sektor eine Chance, flexibler, effizienter und serviceorientierter zu arbeiten. Wirksames eGovernment spart 34 Prozent des bürokratischen Aufwands. Hochgerechnet auf die wichtigsten 60 Verwaltungsleistungen sind das ungefähr drei Milliarden Euro Einsparpotential.

Auf der CeBIT 2016 werden wir gemeinsam mit Wirtschaftswundermachern aus Unternehmen, Bildungsorganisationen, Verwaltungen und NGOs anhand von ganz unterschiedlichen Projekten verdeutlichen, was die Faktoren Organisation, Team, Mitarbeiter, Wissen, Produktion, Infrastruktur und Staat konkret dazu beitragen, die digitale Transformation zu meistern. Wir freuen uns darauf, Sie in Halle 4 zu begrüßen.


Ein Beitrag von Sabine Bendiek (@bendiek)
Vorsitzende der Geschäftsführung von Microsoft Deutschland

 

sabine bendiek

 

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