Deutscher Startup-Monitor 2016: Mehr Frauen, mehr Internationalität, mehr Geld!


Der Bundesverband Deutsche Startups hat vor wenigen Tagen den Deutschen Startup-Monitor 2016 veröffentlicht – mit einigen, im Vergleich zu den drei vorangegangenen Studien, sehr interessanten und durchaus erfreulichen Ergebnissen.

  1. So wächst zum Beispiel der Anteil weiblicher Gründer – zwar langsam, aber stetig: Im Moment beträgt er 13,9 Prozent (2015: 13,0, 2014: 10,7 Prozent). Das ist erfreulich, aber hier sehe ich weiter Luft nach oben – und ausgerechnet in meiner Wahlheimat München ist die Quote mit 8,1 Prozent im bundesweiten Vergleich am niedrigsten.
  2. Zweite Erkenntnis: Deutsche bzw. besser „deutsche“ Startups werden internationaler: 30 Prozent der Mitarbeiter (im Vorjahr: 22 Prozent) besitzen nicht die deutsche Staatsbürgerschaft. Diese beiden Trends stehen in meiner Interpretation für eine offene Gesellschaft, die allen Chancen auf Teilhabe gibt. Das finde ich sehr sympathisch.
  3. Schließlich eine dritte Erkenntnis: Es wird mehr in Gründungen investiert als in den Vorjahren. Offenbar entwickelt sich Deutschland auch als Standort für Startups weiter. Insgesamt also von allen Seiten positive Entwicklungen, die dem Land auf seinem Weg in die digitale Transformation helfen.

Neugründungen sind meist digital

Denn digital, das steht bei den meisten Neugründungen im Vordergrund: 15 Prozent der Startups verorten sich im Bereich IT/Softwareentwicklung, 10,2 Prozent im Bereich Software-as-a-Service, 8,9 Prozent bei Industrielle Technologie/Produktion/Hardware, 8,7 Prozent im E-Commerce und weitere 6 Prozent bei Consumer Mobile/Web Application. Das bestätigt, so die Autoren der Studie, „die exponierte Stellung der Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT) und der Digitalen Wirtschaft für das Startup-Gründungsgeschehen in Deutschland“.

Quelle: Deutscher Startup Monitor 2016

Quelle: Deutscher Startup Monitor 2016

 

Startups entstehen in Teamarbeit

Wer hinter Startups Tüftler oder Nerds vermutet, die im stillen Kämmerlein an innovativen Lösungen werkeln, täuscht sich: Drei Viertel aller neuen Unternehmen (74,9 Prozent), so der Startup-Monitor, wurden im Team gegründet. Auch wenn die durchschnittliche Teamgröße beim Start nur 2,5 Personen beträgt, so belegt das: Teamarbeit ist wichtig und wird von uns mit großartiger Technologie unterstützt. Das wird noch deutlicher, wenn man sich die Beschäftigungseffekte anschaut: Startups sind Jobmotoren, heißt es in der Studie, auch wenn die Anzahl der Mitarbeiter von im Schnitt 17,6 im Vorjahr auf 14,4 in diesem Jahr zurückgegangen ist. Die Autoren führen das auf unterschiedliche regionale Entwicklungen zurück. Für alle Regionen aber gilt: Je länger sich Startups entwickeln und am Markt behaupten, desto besser sind die Beschäftigungseffekte.

Hoodies und Tischkicker: Startup-Kultur in Deutschland

Startups in Deutschland, das sind Unternehmen ohne Hierarchien und steifen Umgang. In 94,6 Prozent sind Hoodies im Büro erlaubt, ein Viertel bietet den Mitarbeitern einen Kickertisch und in jeder sechsten Gründung (16,6 Prozent) steht Mate-Tee auf der Liste der Lieblingsgetränke ganz oben. Klischee und Wirklichkeit liegen hier also offenbar dicht beieinander.

Wichtiger finde ich aber eine weitere Erkenntnis: Bei Startups dominieren flache Hierarchien. Ein Drittel der Firmen verfügt über nur eine einzige Hierarchieebene, kaum eins (3,7 Prozent) über mehr als drei. Klare Verantwortlichkeiten für Mitarbeiter, Abteilungen und das Management gibt es trotzdem. Allerdings: Stellenbeschreibungen und Organigramme bilden das selten ab. Hier dominieren eher Flexibilität und Autonomie. Diese Erkenntnisse decken sich mit dem, was mein Arbeitgeber Microsoft unter dem Stichwort „Neues Arbeiten“ bzw. „New Work“ beobachtet und fördert: Team- und Projektarbeit werden in der digitalen Transformation immer wichtiger; die Organisation von Unternehmen verändert sich fundamental: von hierarchisch klar gegliederten Einheiten hin zu flexiblen, agilen und autonomen Teams, die ihre Arbeit weitgehend selbst organisieren. Überflüssig zu erwähnen, dass auch hier Technik eine zentrale Rolle spielt, um diese immer mobiler arbeitenden Teams zu organisieren und zusammenzuhalten – Tools wie Office 365, Skype for Business oder unsere neue „Schaltzentrale“ Microsoft Teams. Gerade Microsoft Teams ist für mich ein ideales Beispiel, wie moderne Technologie Menschen, Unterhaltungen und Inhalte an einem Ort zusammenbringt und Kollaboration in seiner ganzen Kraft auf eine neue Stufe hebt.

Fazit: Gründer sind zufrieden, haben aber Forderungen an die Politik

Nicht nur in Bezug auf ihre persönlichen Ziele und Lebensumstände sind Gründer offenbar zufriedene Menschen: neun von zehn Entrepreneuren beurteilen die aktuelle Geschäftslage als gut bis befriedigend. Zudem gehen drei Viertel davon aus, dass sich diese Situation in den kommenden sechs Monaten noch verbessern wird.

Weniger zufrieden sind die Gründer aber mit der Bundes- und Landespolitik. Hier gehen die Zustimmungswerte leicht um 0,2 Notenpunkte auf 3,9 (Bund) bzw. 3,6 (Länder) zurück. Noch schlechter fällt die Beurteilung des Startup-Verständnisses der Politik aus: Nur 5,5 Prozent der Gründer vergeben hier ein „gut“ oder „sehr gut“, während die Hälfte (51 Prozent) die Politik mit „mangelhaft“ und „ungenügend“ glatt durchfallen lässt.

Dabei formulieren die Gründer ihre Forderungen an die Politik sehr deutlich: Abbau von regulatorischen und bürokratischen Hürden, Steuerreduktion und -vergünstigungen sowie Unterstützung bei der Kapitalbeschaffung. Auch die Aufnahme von Entrepreneurship ins Bildungswesen gehört zu den Forderungen der Gründer.

Die Autoren der Studie formulieren das vordergründiger und verlangen unter anderem nach besserer Kinderbetreuung und vereinfachtem Bezug von Elterngeld oder nach einer offenen Willkommenskultur und internationalem Austausch. An die Adresse der Politik gerichtet, unterstütze ich solche Forderungen.

Ein Beitrag von Marina Treude
Strategy Lead Office 365 SMB bei Microsoft Deutschland

Marina Treude

Comments (0)

Skip to main content