Sicherer Datenaustausch im Zeichen von Industrie 4.0


In den vergangenen Jahren wurde bereits viel geschrieben über Industrie 4.0, also die Vernetzung der industriellen Produktion übers Internet. Was bislang allerdings weitgehend fehlte und oft wie ein Randaspekt behandelt wurde, ist die Frage nach der Art und Weise der Datenkommunikation. Sie muss zum einen auf allgemein anerkannten Standards beruhen, so dass jedes Unternehmen in der Lage ist, sich in die zugehörigen Prozesse einzuklinken. Zum anderen muss sie aber auch sicher verschlüsselt sein, da die übermittelten Daten in vielen Fällen Rückschlüsse auf die Einführung neuer Produkte, Auftragsvolumina und Lieferanten zulassen werden.

Viele Unternehmen werden daher die Hoheit ihrer Daten behalten und sie nicht aus der Hand geben wollen. Wie diese Anforderungen, die sich auf den ersten Blick teilweise diametral gegenüberstehen, umgesetzt werden können, damit beschäftigt sich die 2014 ins Leben gerufene Initiative zur Entwicklung eines Referenzmodells zum Industrial Data Space (PDF). Das Bundesministerium für Bildung und Forschung hat das Projekt an die Fraunhofer Gesellschaft vergeben und fördert es auch finanziell.

Offene Architektur

Das Konzept für den Industrial Data Space sieht eine offene und föderale Architektur vor, bei der sich die Unternehmen über Konnektoren in das Geschäftsökosystem (Business Ecosystem) einklinken können. Um die Sicherheit der Daten zu gewährleisten, sollen eine starke Verschlüsselung, eine Authentifizierung sowie Identitätsinformationen in Form von Attributen zum Einsatz kommen, die eine Zugriffskontrolle und beispielsweise auch eine Beschränkung der Nutzungsdauer der Daten ermöglichen. Die Fraunhofer-Gesellschaft will allerdings das Rad nicht neu erfinden, sondern auf bestehende Standards und Technologien wie etwa Trusted Platform Modules zurückgreifen. Wichtig ist, dass es keine zentralen Rechenzentren oder Knotenpunkte geben soll, der Datenaustausch soll direkt zwischen den beteiligten Unternehmen stattfinden.

Referenzanwendungen in Sicht

Derzeit werden unter Beteiligung der Wirtschaft mehrere Referenzanwendungen für den Industrial Data Space entwickelt. Eine davon ist iCon, ein vom Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik entworfenes System für die Kommunikation mit und zwischen Luftfrachtcontainern. Das iCon-System setzt auf GPS, so dass sich jederzeit der Standort der Container feststellen lässt, bietet aber auch Sensoren für Temperatur und Beschleunigung, die beispielsweise Überhitzungen oder Beschädigungen der Fracht melden. Über ein E-Paper-Display hat der Zoll Zugriff auf die Frachtpapiere.

Mithilfe der Kommunikation über den Industrial Data Space können Lieferanten und Empfänger jederzeit sehen, wo sich ihre Ware derzeit befindet, in welchem Zustand sie ist und wann sie voraussichtlich eintreffen wird. Es ist zu erwarten, dass bereits in wenigen Monaten mehrere technisch verwandte Lösungen auf den Markt kommen werden. Die Firma Bosch etwa hat auf der diesjährigen CeBIT TraQ vorgestellt, einen intelligenten Behälter mit mehreren Sensoren. Er soll 2017 auf den Markt kommen, der Datenaustausch soll über die Cloud erfolgen. Wie dabei die Datensicherheit gewährleistet wird, ist noch nicht bekannt.

Gastbeitrag von Michael Kranawetter, National Security Officer (NSO) bei Microsoft in Deutschland. In seinem eigenen Blog veröffentlicht Michael alles Wissenswerte rund um Schwachstellen in Microsoft-Produkten und die veröffentlichten Softwareupdates.

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