Cloud und Datenschutz: Deutsche Unternehmen sind skeptisch


Eine aktuelle Studie zeigt, dass viele Unternehmen in Deutschland nach wie vor Bedenken haben in Sachen Sicherheit ihrer Daten in der Cloud: Das Ponemon Institute befragte im Auftrag von Netskope für die Studie „Data Breach: The Cloud Multiplier Effect in European Countries“ 1059 IT-Sicherheits-Experten in Europa – darunter 514 aus Deutschland.

75 Prozent aller befragten deutschen Unternehmensvertreter gehen davon aus, dass Cloud-Anbieter sich nicht an die gesetzlichen Vorschriften für Datenschutz und Privatsphäre halten und Compliance-Richtlinien verletzen – ganz egal, ob der jeweilige Cloud-Anbieter schon einmal negativ auffiel. Über die Hälfte der IT-Security-Verantwortlichen glauben, dass sich die Wahrscheinlichkeit für Datenlücken durch den Einsatz von Cloud-Computing erhöht. Sie befürchten, dass sich der wirtschaftliche Schaden in Zukunft verdreifachen könnte, den Datenlecks in der Cloud verursachen.

Der dafür verantwortliche „Cloud Multiplikator Effekt“ ist vom jeweiligen Cloud-Einsatz-Szenario abhängig. Ausgehend von 136 Euro Schaden pro betroffenen Datensatz, würde der Verlust oder Diebstahl von 100 000 Kundendatensätzen bei einem Unternehmen einen finanziellen Schaden von 13,6 Millionen Euro verursachen. Aufgrund ihres mangelnden Vertrauens rechnen die IT-Verantwortlichen bei starker Nutzung von Cloud-Diensten hier mit einem möglichen Schaden von bis zu 39 Millionen Euro.

Die weiteren Ergebnisse der Studie:

  • 87 Prozent der Befragten bezweifeln, dass ihr Cloud-Anbieter sie sofort informieren würde, wenn eine Datenlücke ihre Daten oder vertrauliche Geschäftsinformationen gefährdet. 78 Prozent glauben, dass ihre Cloud-Anbieter sie nicht sofort benachrichtigen, wenn über das Datenleck Kundendaten verloren oder gestohlen wurden.
  • 64 Prozent der IT-Profis denken, dass durch den Einsatz von Cloud-Services der Schutz vertraulicher Informationen sinkt und 57 Prozent sehen ein Problem darin, geschäftskritische Anwendungen gegen fremden Zugriff zu sichern.

Doch die knappe Mehrheit der Befragten (54 Prozent) schätzt die Cloud “gleich sicher” oder “sicherer” ein, wie die lokale IT. 51 Prozent der befragten Teilnehmer aus den USA denken, die Effektivität ihres Unternehmens bei der Sicherung von Daten und Anwendungen sei „gering“, in Europa sind es nur 25 Prozent, in Deutschland 27 Prozent. 52 Prozent der europäischen IT-Experten bewerten die Datenschutz-Fähigkeiten ihres Unternehmens als „hoch“, in den USA sind es nur 26 Prozent.

Larry Ponemon, Vorsitzender und Gründer des Ponemon Institute: „Datenschutzgesetze und -Richtlinien werden vor allem in Europa sehr genau überprüft. Vermutlich ist das geringe Vertrauen in die Cloud-Anbieter auf diese verstärkte Kontrolle und die Angst vor dem Unbekannten zurückzuführen. Dieses Misstrauen lässt sich nur überwinden, wenn Provider ihre Sicherheitsmaßnahmen offen legen und diese Bedenken zerstreuen. Dann werden viel mehr Unternehmen die Cloud nutzen.“

Unabhängig von Ponemons Forderung hat beispielsweise Microsoft schon seit einiger Zeit alle relevanten Sicherheits- und Complianceinformationen rund um die großen Cloud-Dienste Azure und Office 365 auf eigenen Seiten (Vertrauenscenter, Trust Center) zusammen gefasst. Das Vertrauenscenter für Azure findet sich hier, das englischsprachige Trust Center für Office 365 bei den US-Kollegen.

Gastbeitrag von Michael Kranawetter, Chief Security Advisor (CSA) bei Microsoft in Deutschland. In seinem eigenen Blog veröffentlicht Michael alles Wissenswerte rund um Schwachstellen in Microsoft-Produkten und die veröffentlichten Softwareupdates.  

 

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